Landtagswahl in Thüringen 2029

Wahl zum 9. Thüringer Landtag, voraussichtlich im Herbst 2029

Plenargebäude des Thüringer Landtags in Erfurt

Das Plenargebäude des Thüringer Landtags in Erfurt. Foto: Robert von Oliva, Wikimedia Commons, Lizenz: CC0

In Thüringen wird regulär voraussichtlich im Herbst 2029 der 9. Landtag gewählt. Ein Wahltermin ist noch nicht festgesetzt. Die AfD-Fraktion hat die Selbstauflösung des Landtags beantragt; abgestimmt werden soll am 7. Oktober 2026. Nötig wäre eine Zweidrittelmehrheit.1

Bei der letzten Landtagswahl am 1. September 2024 wurde die AfD stärkste Partei. Ministerpräsident ist seit Dezember 2024 Mario Voigt (CDU). Nach dem Zerfall der BSW-Fraktion im September 2026 regiert er mit einer Minderheitskoalition aus CDU, Thüringen.Gerecht und SPD.

Wann ist die Landtagswahl in Thüringen?

Nach Artikel 50 der Thüringer Verfassung findet die Neuwahl frühestens 57 und spätestens 61 Monate nach Beginn der Wahlperiode statt.2

  • Die Wahlperiode des 8. Landtags begann mit der konstituierenden Sitzung am 26. September 2024.
  • Laut Wikipedia ist die reguläre Wahl damit frühestens im Juni und spätestens im Oktober 2029 möglich.3

Antrag auf Selbstauflösung des Landtags

  • Der Landtag kann sich auf Antrag eines Drittels seiner Mitglieder mit einer Mehrheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder selbst auflösen. Die Neuwahl muss dann innerhalb von 70 Tagen stattfinden.
  • Die AfD-Fraktion, die mit 32 Abgeordneten mehr als ein Drittel der Sitze hat, hat die Auflösung beantragt. Die Abstimmung ist für den 7. Oktober 2026 vorgesehen.
  • Für den Beschluss sind laut Landtag mindestens 59 der 88 Stimmen nötig.4

Umfragen zur Landtagswahl in Thüringen

Alle bei wahlrecht.de seit 2025 verzeichneten Thüringen-Umfragen stammen von INSA im Auftrag von TA, OTZ und TLZ. Sie wurden vor der Gründung von Thüringen.Gerecht erhoben; die neue Partei ist darin nicht enthalten. Laut der jüngsten Umfrage (INSA (TA, OTZ, TLZ), 02.07.2026) liegt die AfD mit 40,0 % vor der CDU (22,0 %) und der Linken (16,0 %).

Umfrage

Ergebnis 2024

Sitze 2024

Alle Umfragen im Überblick

InstitutAuftraggeberVeröffentlichtAfDCDUDie LinkeBSWSPDGrüneSonst.
INSATA, OTZ, TLZ02.07.202640 %22 %16 %7 %6 %4 %5 %
INSATA, OTZ, TLZ10.04.202639 %24 %14 %7 %6 %3 %7 %
INSATA, OTZ, TLZ06.02.202638 %24 %14 %7 %7 %3 %7 %
INSATA, OTZ, TLZ11.12.202539 %24 %14 %7 %6 %3 %7 %
INSATA, OTZ, TLZ11.09.202537 %25 %14 %9 %7 %3 %5 %
INSATA, OTZ, TLZ08.05.202535 %24 %14 %11 %8 %3 %5 %
INSATA, OTZ, TLZ04.02.202535 %25 %11 %13 %7 %4 %5 %
Landtagswahl 01.09.202432,8 %23,6 %13,1 %15,8 %6,1 %3,2 %4,3 %

Die Tabelle wird automatisch aus wahlrecht.de übernommen.5

Ausgangslage: die Landtagswahl 2024

Bei der Wahl am 1. September 2024 wurde die AfD mit 32,8 Prozent stärkste Partei. Es folgten CDU (23,6 %), das erstmals angetretene BSW (15,8 %), die Linke (13,1 %) und die SPD (6,1 %). Grüne und FDP schieden aus dem Landtag aus.

  • Wahlberechtigte: 1.655.670
  • Wählerinnen und Wähler: 1.218.089 (Wahlbeteiligung 73,6 %)

Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik, amtliches Endergebnis.6

Regierung und Entwicklungen seit der Wahl

„Brombeer-Koalition“ aus CDU, BSW und SPD

Am 12. Dezember 2024 wurde Mario Voigt (CDU) mit 51 von 88 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. Seine Koalition aus CDU, BSW und SPD – die erste dieser Art – hatte 44 der 88 Sitze und damit keine eigene Mehrheit. Für Abstimmungen vereinbarte sie mit der Linken das Gesprächsformat „3 plus 1“.7

Zwei Misstrauensvoten der AfD

Die AfD-Fraktion beantragte zweimal ein konstruktives Misstrauensvotum mit Björn Höcke als Gegenkandidaten. Für einen Erfolg wären jeweils 45 Stimmen nötig gewesen.

Datum Ja Nein Enthaltungen
4. Februar 2026 33 51 1
28. August 2026 33 49 3

Voigt blieb in beiden Fällen im Amt.8 9

Zerfall der BSW-Fraktion und Gründung von Thüringen.Gerecht

Hintergrund war ein Konflikt zwischen dem Thüringer BSW und der Bundesspitze der Partei. Laut tagesschau.de sollte der Landesverband dem Ministerpräsidenten die Unterstützung entziehen und die Koalition verlassen; offizieller Anlass war die Aberkennung von Voigts Doktorgrad durch die TU Chemnitz, gegen die Voigt juristisch vorgeht.10

  • 2. September 2026: Drei Abgeordnete verließen Partei und Fraktion des BSW.11
  • 4. September 2026: Neun weitere Abgeordnete um Katja Wolf und Steffen Schütz traten aus dem BSW aus.12
  • 6. September 2026: Die ausgetretenen Mitglieder gründeten die Partei „Thüringen.Gerecht“.13
  • 9. September 2026: Die BSW-Fraktion wurde aufgelöst. Zehn ihrer ursprünglich 15 Mitglieder bildeten die neue Fraktion „Thüringen gerecht“; Vorsitzende bleibt Sigrid Hupach.14

CDU, Thüringen.Gerecht und SPD unterzeichneten eine Fortführungsvereinbarung zum Koalitionsvertrag. Die drei früheren BSW-Regierungsmitglieder Wolf, Schütz und Tilo Kummer bleiben im Amt. Die Koalition hat nur noch 39 von 88 Sitzen.1

Zusammensetzung des Landtags (Stand 11. September 2026)

Fraktion / Gruppe Sitze
AfD 32
CDU 23
Die Linke 12
Thüringen.Gerecht 10
SPD 6
„Deine Stimme zählt“ (fraktionslos) 3
BSW (fraktionslos) 2

Nach Angaben des Landtags gibt es fünf Fraktionen und fünf fraktionslose Abgeordnete; die drei Abgeordneten von „Deine Stimme zählt“ und die zwei verbliebenen BSW-Abgeordneten streben jeweils die Anerkennung als parlamentarische Gruppe an.4

Wahlrecht in Thüringen

  • Jede Person hat zwei Stimmen: die Wahlkreisstimme für eine Kandidatin oder einen Kandidaten in einem der 44 Wahlkreise und die Landesstimme für die Landesliste einer Partei.
  • Der Landtag hat mindestens 88 Sitze, davon 44 Direktmandate.
  • Die Sitze werden nach dem Verfahren Hare/Niemeyer verteilt.
  • Sperrklausel: 5 Prozent der Landesstimmen; eine Grundmandatsklausel gibt es nicht.
  • Wählen dürfen Deutsche ab 18 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in Thüringen wohnen.

Quelle: wahlrecht.de.15

Ergebnisse der Landtagswahlen in Thüringen seit 1990

Diagramm

Tabelle

JahrBeteiligungCDUSPDPDS/LinkeGrüneFDPAfDBSWSitze
199071,7 %45,4 / 4422,8 / 219,7 / 96,5 / 69,3 / 989
199474,8 %42,6 / 4229,6 / 2916,6 / 174,5 / –3,2 / –88
199959,9 %51,0 / 4918,5 / 1821,4 / 211,9 / –1,1 / –88
200453,8 %43,0 / 4514,5 / 1526,1 / 284,5 / –3,6 / –88
200956,2 %31,2 / 3018,5 / 1827,4 / 276,2 / 67,6 / 788
201452,7 %33,5 / 3412,4 / 1228,2 / 285,7 / 62,5 / –10,6 / 1191
201964,9 %21,8 / 218,2 / 831,0 / 295,2 / 55,0 / 523,4 / 2290
202473,6 %23,6 / 236,1 / 613,1 / 123,2 / –1,1 / –32,8 / 3215,8 / 1588

Werte: Prozent der Landesstimmen / Sitze; „–“ ohne Sitze bzw. nicht angetreten.16

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. tagesschau.de, Nach dem Bruch des BSW: Wie stabil ist Thüringens Regierung noch?, 09.09.2026. 2

  2. Verfassung des Freistaats Thüringen, Art. 50, Fassung nach verfassungen.de, abgerufen am 14.09.2026.

  3. Wikipedia, Wahl zum 9. Thüringer Landtag, abgerufen am 14.09.2026.

  4. Thüringer Landtag, FAQ Fraktionsbildung – aktuelle Situation im Plenum, 11.09.2026. 2

  5. wahlrecht.de, Sonntagsfrage Thüringen, Stand 02.07.2026.

  6. Thüringer Landesamt für Statistik, Landtagswahl 2024 – Ergebnis Land.

  7. Wikipedia, Kabinett Voigt, abgerufen am 14.09.2026.

  8. MDR, Bericht zum Misstrauensvotum gegen Mario Voigt am 4. Februar 2026, 04.02.2026.

  9. MDR, Voigt bleibt Ministerpräsident: So lief Höckes Misstrauensvotum, 28.08.2026.

  10. Die Zeit (dpa), Warum Mario Voigt um seinen Doktortitel kämpft, 29.01.2026.

  11. ZDFheute, BSW in Thüringen: Drei Abgeordnete verlassen Partei und Fraktion, 02.09.2026.

  12. Der Spiegel, Weitere Abgeordnete verlassen BSW – Konflikt mit Bundesspitze, 04.09.2026.

  13. tagesschau.de, Ex-BSW-ler gründen Partei „Thüringen gerecht“, 07.09.2026.

  14. MDR, BSW-Landtagsfraktion aufgelöst und als „Thüringen gerecht“ neu gegründet, 09.09.2026.

  15. wahlrecht.de, Landtagswahlrecht Thüringen.

  16. wahlrecht.de, Landtagswahlen in Thüringen.

Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.

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