Europawahl 2029

Termin, Wahlrecht und Ausgangslage: die zehnte Direktwahl des Europäischen Parlaments

Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg

Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg während einer Sitzung (Februar 2014). Foto: David Iliff, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die nächste Europawahl findet voraussichtlich im Juni 2029 statt. Das Europäische Parlament wird alle fünf Jahre gewählt; die laufende zehnte Wahlperiode begann nach der Wahl vom 6. bis 9. Juni 2024 mit der konstituierenden Sitzung im Juli 2024. Ein Beschluss des Rates der Europäischen Union über den Wahlzeitraum 2029 liegt noch nicht vor, ebenso wenig die Festlegung des deutschen Wahltags durch die Bundesregierung (Stand: 14. September 2026).

2029 ist damit ein Superwahljahr: Zwischen dem 26. Januar und dem 25. März 2029 wird der Bundestag gewählt, wenige Monate später das Europäische Parlament, im Herbst folgen die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Diese Seite erklärt, wie der Termin der Europawahl zustande kommt, nach welchen Regeln in Deutschland gewählt wird und wie die Europawahl 2024 in Deutschland ausgegangen ist.

Termin: voraussichtlich Juni 2029

Die Europawahl findet in allen Mitgliedstaaten innerhalb eines gemeinsamen Zeitraums von Donnerstag bis Sonntag statt; jeder Staat legt seinen Wahltag innerhalb dieses Zeitraums selbst fest. In Deutschland und den meisten anderen Ländern wird an einem Sonntag gewählt, in den Niederlanden zum Beispiel am Donnerstag.

Den Rahmen setzt der Direktwahlakt von 1976: Die Wahl findet in dem Zeitraum des letzten Jahres der fünfjährigen Wahlperiode statt, der dem Zeitraum der ersten Europawahl entspricht – diese fand vom 7. bis 10. Juni 1979 statt. Erweist es sich als unmöglich, in diesem Zeitraum zu wählen, kann der Rat der EU nach Anhörung des Europäischen Parlaments einstimmig einen anderen Wahlzeitraum bestimmen; ein solcher Beschluss soll mindestens ein Jahr vor Ablauf der Wahlperiode gefasst werden. Bisher geschah das viermal: 1984 und 1989 wurde die Wahl um eine Woche nach hinten, 2014 und 2019 um zwei Wochen nach vorn verlegt. Für 2024 bestätigte der Rat am 22. Mai 2023 den Zeitraum 6. bis 9. Juni.

Rein rechnerisch fällt der reguläre Zeitraum 2029 auf Donnerstag, den 7. Juni, bis Sonntag, den 10. Juni 2029 (eigene Kalenderberechnung). Ob der Rat diesen Zeitraum bestätigt oder verschiebt, ist offen. Den deutschen Wahltag bestimmt anschließend die Bundesregierung nach § 7 des Europawahlgesetzes;1 für die Wahl 2024 tat sie das am 10. August 2023, gut zehn Monate vor der Wahl.

Schritt Zuständig Beispiel 2024
Festlegung oder Bestätigung des Wahlzeitraums (Donnerstag bis Sonntag) Rat der EU, einstimmig nach Anhörung des Parlaments 22. Mai 2023
Bestimmung des deutschen Wahltags (ein Sonntag) Bundesregierung (§ 7 EuWG) 10. August 2023
Einreichung der Wahlvorschläge bei der Bundeswahlleiterin Parteien und politische Vereinigungen bis 18. März 2024 (83. Tag vor der Wahl)
Wahltag in Deutschland Sonntag, 9. Juni 2024
Konstituierende Sitzung des neuen Parlaments Europäisches Parlament 16. Juli 2024

Quellen: Bundeswahlleiterin, Deutscher Bundestag.23

Umfragen zur Europawahl 2029

Umfragen zur Europawahl 2029 gibt es noch nicht. Die Institute erheben die Sonntagsfrage zur Europawahl erst kurz vor dem Wahltermin; in der übrigen Zeit fragen sie nach der Bundestagswahl. Wie lange vorher Umfragen erscheinen, zeigt der Blick auf 2024: Nach der Europawahl vom Mai 2019 veröffentlichte wahlrecht.de die erste Umfrage zur Europawahl 2024 am 31. Juli 2023 (INSA), also gut zehn Monate vor der Wahl; regelmäßig erschienen Umfragen erst ab Februar 2024, rund vier Monate vor dem Wahltag. Insgesamt verzeichnete wahlrecht.de 19 Umfragen zur Europawahl 2024, 18 davon im Wahljahr, von INSA, der Forschungsgruppe Wahlen, Infratest dimap, Ipsos, Forsa und YouGov.4

Mit ersten Umfragen zur Europawahl 2029 ist danach frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2028 zu rechnen, mit regelmäßigen Erhebungen in den Monaten vor der Wahl – also parallel zum Endspurt der Bundestagswahl 2029. Bis dahin geben die Umfragen zur Bundestagswahl die bundesweite Stimmung wieder; sie sind allerdings nicht auf die Europawahl übertragbar, bei der es keine Sperrklausel gibt und kleine Parteien deshalb regelmäßig besser abschneiden. Sobald Umfragen zur Europawahl 2029 vorliegen, werden sie hier ergänzt.

Superwahljahr 2029

Die Europawahl ist 2029 nur eine von mehreren Wahlen. Der Bundestag muss zwischen dem 26. Januar und dem 25. März 2029 neu gewählt werden – die Bundestagswahl liegt also voraussichtlich nur wenige Monate vor der Europawahl. Mehr dazu auf der Seite Wann ist die nächste Bundestagswahl?.

Im Frühjahr 2029 stehen außerdem Kommunalwahlen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie die Wahlen zu den Hamburger Bezirksversammlungen an; im Herbst 2029 wählen Brandenburg, Sachsen und Thüringen neue Landtage.5 Alle Termine sammelt der Wahlkalender.

Das Wahlrecht zur Europawahl in Deutschland

Es gibt kein einheitliches europäisches Wahlrecht. Die Wahl richtet sich nach den nationalen Wahlgesetzen, in Deutschland nach dem Europawahlgesetz (EuWG) und der Europawahlordnung.2 Die wichtigsten Regeln:

  • 96 Abgeordnete: Deutschland stellt 96 der 720 Abgeordneten des Europäischen Parlaments – die Höchstzahl, die einem Mitgliedstaat zusteht; die Untergrenze liegt bei sechs Sitzen. Das ganze Bundesgebiet bildet einen Wahlkreis.
  • Verhältniswahl mit Listen: Gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl mit Listenwahlvorschlägen. Parteien können Listen für einzelne Länder oder eine gemeinsame Liste für alle Länder aufstellen; jeder Wähler hat eine Stimme. Die Sitze werden mit einem Divisorverfahren mit Standardrundung (Sainte-Laguë/Schepers) verteilt.6 Einzelbewerbungen sind – anders als bei der Bundestagswahl – nicht zugelassen.
  • Keine Sperrklausel: Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2011 die Fünf-Prozent-Hürde und 2014 die Drei-Prozent-Hürde im Europawahlrecht für verfassungswidrig.78 Bei der Wahl 2024 gewannen deshalb 15 Parteien aus Deutschland mindestens einen Sitz, acht davon mit weniger als 3 Prozent der Stimmen (siehe die Ergebnistabelle unten).
  • Wahlalter 16: Wahlberechtigt sind Deutsche und in Deutschland lebende Unionsbürger, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben.9 Der Bundestag hatte das aktive Wahlalter am 10. November 2022 von 18 auf 16 Jahre gesenkt; die Wahl 2024 war die erste Europawahl, bei der 16- und 17-Jährige in Deutschland wählen durften. Kandidieren kann man ab 18 Jahren.3

Kommt 2029 eine Sperrklausel?

Der Rat der EU beschloss am 13. Juli 2018 eine Änderung des Direktwahlakts, nach der Mitgliedstaaten mit Wahlkreisen von mehr als 35 Sitzen eine Sperrklausel zwischen 2 und 5 Prozent einführen müssen. Weil das nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts den Vorgaben des Grundgesetzes widerspricht, war für die deutsche Zustimmung eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. Der Bundestag nahm das Zustimmungsgesetz Mitte Juni 2023 mit 567 Ja- und 111 Nein-Stimmen an; in der Debatte sprachen sich mehrere Redner dafür aus, die Hürde in Deutschland am unteren Ende, also bei 2 Prozent, anzusetzen.10 Anträge der Partei Die PARTEI gegen das Zustimmungsgesetz verwarf das Bundesverfassungsgericht am 6. Februar 2024 als unzulässig; es stellte dabei fest, dass das Gesetz noch nicht in Kraft getreten ist und es bei Europawahlen in Deutschland derzeit keine gesetzliche Sperrklausel gibt.11

Die Änderung des Direktwahlakts tritt erst in Kraft, wenn alle Mitgliedstaaten sie nach ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften gebilligt haben. Nach einer Übersicht des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments vom Februar 2025 stand die Ratifizierung durch Spanien noch aus. Die Pflicht zur Sperrklausel gilt zudem erst ab der zweiten Europawahl nach dem Inkrafttreten.12 Ob bei der Europawahl 2029 in Deutschland eine Sperrklausel gilt, ist damit offen (Stand: 14. September 2026); eine ausführliche Darstellung der Rechtslage gibt der Artikel Fünf-Prozent-Hürde.

Ausgangslage: Das Ergebnis der Europawahl 2024 in Deutschland

Bei der Europawahl am 9. Juni 2024 lag die Union deutlich vorn, die AfD wurde zweitstärkste Kraft. Die Grünen verloren gegenüber 2019 am stärksten; das erstmals angetretene BSW erreichte aus dem Stand 6,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung stieg auf 64,7 Prozent (2019: 61,4 Prozent).

Diagramm

Tabelle

Alle Parteien, die 2024 mindestens einen der 96 deutschen Sitze gewonnen haben:

Partei Stimmen 2024 Anteil Sitze Anteil 2019
CDU 9.435.636 23,7 % 23 22,6 %
AfD 6.325.890 15,9 % 15 11,0 %
SPD 5.551.545 13,9 % 14 15,8 %
Grüne 4.738.227 11,9 % 12 20,5 %
CSU 2.513.481 6,3 % 6 6,3 %
BSW 2.456.460 6,2 % 6
FDP 2.061.334 5,2 % 5 5,4 %
Die Linke 1.091.586 2,7 % 3 5,5 %
Freie Wähler 1.062.437 2,7 % 3 2,2 %
Volt 1.023.681 2,6 % 3 0,7 %
Die PARTEI 775.636 1,9 % 2 2,4 %
Tierschutzpartei 570.777 1,4 % 1 1,4 %
ÖDP 257.975 0,6 % 1 1,0 %
Familie 244.030 0,6 % 1 0,7 %
Partei des Fortschritts (PdF) 228.148 0,6 % 1

Quelle: Die Bundeswahlleiterin, endgültiges Ergebnis der Europawahl 2024.13

Wahlberechtigt waren 61.963.020 Personen, 40.114.939 gaben ihre Stimme ab; 39.810.489 Stimmen waren gültig. Union (CDU und CSU zusammen 30,0 Prozent) und AfD gewannen gegenüber 2019 hinzu, SPD, Grüne und Linke verloren. Wie sich die Stimmung seit 2024 entwickelt hat, zeigen die Umfragen zur Bundestagswahl.

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. Europawahlgesetz, § 7 Wahltag.

  2. Die Bundeswahlleiterin, Europawahl 2024 – Wahl zum 10. Europäischen Parlament am 9. Juni 2024, abgerufen am 14.09.2026. 2

  3. Deutscher Bundestag, Europawahl am 9. Juni: Deutschland wählt 96 Abgeordnete, Januar 2024. 2

  4. wahlrecht.de, Umfragen zur Europawahl, Tabelle der Umfragen vor der Europawahl 2024, abgerufen am 14.09.2026.

  5. wahlrecht.de, Wahltermine in Deutschland, abgerufen am 14.09.2026.

  6. Europawahlgesetz, § 2 Wahlsystem, Sitzverteilung.

  7. Bundesverfassungsgericht, Fünf-Prozent-Sperrklausel im Europawahlrecht verfassungswidrig, Pressemitteilung Nr. 70/2011, 09.11.2011.

  8. Bundesverfassungsgericht, Drei-Prozent-Sperrklausel im Europawahlrecht ist unter den gegenwärtigen rechtlichen und tatsächlichen Verhältnissen verfassungswidrig, Pressemitteilung Nr. 14/2014, 26.02.2014.

  9. Europawahlgesetz, § 6 Wahlrecht, Ausübung des Wahlrechts.

  10. Deutscher Bundestag, Einführung einer Sperrklausel bei EU-Wahlen beschlossen, Juni 2023.

  11. Bundesverfassungsgericht, Unzulässige Anträge gegen die Zustimmung Deutschlands zum Direktwahlakt 2018 (Einführung Zwei-Prozent-Sperrklausel bei Europawahlen), Pressemitteilung Nr. 23/2024, 29.02.2024.

  12. European Parliamentary Research Service, Council Decision (EU) 2018/994 modifying the 1976 European Electoral Act: Ratification status (PDF), Februar 2025.

  13. Die Bundeswahlleiterin, Europawahl 2024 – Ergebnisse Deutschland, endgültiges Ergebnis.

Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.

Weiterlesen

→ zur Startseite