Bundestagswahl 2021: Ergebnis, Wahlkampf und Ampelkoalition

Wahl zum 20. Deutschen Bundestag am 26. September 2021

Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, vor dem TV-Triell am 12. September 2021

Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, vor dem TV-Triell von ARD und ZDF in Berlin-Adlershof am 12. September 2021. Foto: Steffen Prößdorf, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 wurde die SPD mit 25,7 % der Zweitstimmen stärkste Partei, knapp vor CDU und CSU mit zusammen 24,1 % – dem bis dahin schlechtesten Ergebnis der Union. Die Grünen erreichten mit 14,7 % ihr bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl, die Linke blieb mit 4,9 % unter der Fünf-Prozent-Hürde und zog nur über drei Direktmandate ein. Nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) bildeten SPD, Grüne und FDP die erste Ampelkoalition im Bund; Olaf Scholz (SPD) wurde am 8. Dezember 2021 zum Bundeskanzler gewählt.1

Die größten Veränderungen gegenüber 2017 verzeichneten die Union (−8,8 Prozentpunkte), die Grünen (+5,8) und die SPD (+5,2). SPD und Union kamen zusammen erstmals auf weniger als die Hälfte der Zweitstimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 76,4 Prozent; fast jede zweite Stimme wurde per Brief abgegeben.

Ergebnis

Sitze

Sitzverteilung

Koalitionen

Tabelle

ParteiZweitstimmenAnteilDirektmandateSitzeSitze 2017
SPD11.901.55825,7 %121206153
CDU8.774.92019,0 %98152200
Bündnis 90/Die Grünen6.814.40814,7 %1611867
FDP5.291.01311,4 %9180
AfD4.809.23310,4 %168394
CSU2.402.8275,2 %454546
Die Linke2.255.8644,9 %33969
Freie Wähler1.125.6672,4 %
Tierschutzpartei673.6691,5 %
dieBasis630.1531,4 %
Die PARTEI460.4311,0 %
SSW55.5780,1 %1
Gesamt46.298.387100 %299735709

Endgültiges Ergebnis einschließlich der Wiederholungswahl in Teilen Berlins vom 11. Februar 2024; die Gesamtzeile umfasst alle gültigen Zweitstimmen, auch die der nicht aufgeführten Kleinparteien. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.1

Ausgangslage

Seit März 2018 regierte die dritte große Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am 29. Oktober 2018 hatte Merkel angekündigt, nach dem Ende ihrer vierten Amtszeit nicht erneut zu kandidieren. Der 19. Bundestag war mit 709 Sitzen bis dahin der größte, in ihm saßen sechs Fraktionen (siehe Bundestagswahl 2017).

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legte den Wahltag im Dezember 2020 auf den 26. September 2021 fest. Am selben Tag fanden die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin ein Volksentscheid statt. Die Wahl fiel in die Corona-Pandemie: Parteitage und Wahlkampf liefen teils digital, und ein Höchstwert bei der Briefwahl zeichnete sich früh ab. An der Wahl nahmen 47 Parteien teil, 40 davon mit Landeslisten; die Landesliste der Grünen im Saarland wurde wegen Fehlern bei ihrer Aufstellung nicht zugelassen.

Weil Umfragen eine gleichmäßigere Stimmenverteilung als je zuvor erwarten ließen, galt ein weiter wachsender Bundestag als wahrscheinlich. Die große Koalition beschloss deshalb im Oktober 2020 eine Wahlrechtsänderung, nach der bis zu drei Überhangmandate nicht mehr ausgeglichen werden; sie trat am 19. November 2020 in Kraft, das Bundesverfassungsgericht bestätigte sie mit Urteil vom 29. November 2023.2 Mehr zum Verfahren: Wahlrecht.

Kanzlerkandidaten

Armin Laschet, Kanzlerkandidat von CDU und CSU, begrüßt Anhänger vor dem TV-Triell am 12. September 2021

Armin Laschet, Kanzlerkandidat von CDU und CSU, vor dem TV-Triell am 12. September 2021. Foto: Steffen Prößdorf, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Erstmals traten drei Parteien mit Kanzlerkandidaten an:

  • Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler und Bundesfinanzminister, wurde bereits am 10. August 2020 auf Vorschlag der Parteispitze nominiert – über ein Jahr vor der Wahl und als erster Kandidat aller Bundestagsparteien. Ende 2019 hatte er die Wahl zum SPD-Vorsitz gegen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans verloren, die ihn nun vorschlugen.
  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und seit Januar 2021 CDU-Vorsitzender, setzte sich im April 2021 gegen den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder durch. Nach einer öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung stimmte der CDU-Bundesvorstand am 19. April 2021 in geheimer Abstimmung mit 31 von 46 Stimmen für Laschet, neun für Söder; Söder akzeptierte das Ergebnis am Folgetag.
  • Annalena Baerbock (Grüne), Co-Vorsitzende der Partei, wurde am 19. April 2021 als erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Grünen benannt; sie und Robert Habeck traten im Wahlkampf als Spitzenduo auf. Nach Angela Merkel war Baerbock die zweite Frau, die sich um das Kanzleramt bewarb.

Spitzenkandidaten der übrigen Bundestagsparteien waren Christian Lindner (FDP, auf dem Parteitag im Mai 2021 mit 93 Prozent bestätigt), Alice Weidel und Tino Chrupalla (AfD, per Mitgliederentscheid im Mai 2021) sowie Janine Wissler und Dietmar Bartsch (Linke).3

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kiel am 26. August 2021

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kiel am 26. August 2021. Foto: Michael Brandtner, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 4.0

Wahlkampf

Der Wahlkampf 2021 war von ungewöhnlich starken Umfrageschwankungen geprägt. In den ersten Pandemiemonaten 2020 hatte die Union in einzelnen Umfragen 40 Prozent erreicht; ab März 2021 verlor sie rasch an Zustimmung. Im Frühjahr lagen die Grünen zeitweise vor der Union, nach Kritik an Baerbocks nachträglich korrigiertem Lebenslauf, verspätet gemeldeten Nebeneinkünften und Plagiatsvorwürfen gegen ihr Buch fielen sie jedoch wieder zurück.4

Als einschneidend gilt der 17. Juli 2021: Während einer Ansprache des Bundespräsidenten im Hochwassergebiet von Erftstadt wurde Laschet lachend gefilmt („Laschet-Lacher“); anschließend brachen die Umfragewerte der Union ein.5 Die SPD, die noch im Juli bei rund 16 Prozent lag, überholte im August erst die Grünen und dann die Union und ging als Favoritin in die Wahl. Erstmals wurden die Fernsehduelle als „Trielle“ mit drei Kandidaten ausgetragen – am 29. August (RTL/n-tv), am 12. September (ARD/ZDF) und am 19. September 2021 (ProSieben/Sat.1).

Vor der Wahl schloss die Union eine Zusammenarbeit mit der Linken aus, alle übrigen Parteien eine mit der AfD. Scholz strebte ein Bündnis mit den Grünen an und schloss Rot-Rot-Grün nicht kategorisch aus; Lindner nannte Jamaika und eine Koalition aus Union, SPD und FDP „gleichwertige Optionen“ und hielt eine Ampel für schwer vorstellbar.3

Umfragen vor der Wahl

Entwicklung

Letzte Umfragen

Tabelle

InstitutDatumUnionSPDGrüneFDPLinkeAfDSonstige
Allensbach24.09.202125 %26 %16 %10,5 %5 %10 %7,5 %
Forsa24.09.202122 %25 %17 %12 %6 %10 %8 %
Forschungsgruppe Wahlen23.09.202123 %25 %16,5 %11 %6 %10 %8,5 %
GMS14.09.202123 %25 %16 %13 %6 %11 %6 %
Infratest dimap16.09.202122 %26 %15 %11 %6 %11 %9 %
INSA20.09.202122 %25 %15 %12 %6,5 %11 %8,5 %
Kantar (Emnid)23.09.202121 %25 %16 %11 %7 %11 %9 %
YouGov23.09.202121 %25 %14 %11 %7 %12 %9 %
Wahl 26.09.202124,1 %25,7 %14,7 %11,4 %4,9 %10,4 %8,7 %

Jeweils letzte Sonntagsfrage des Instituts vor der Wahl; Freie Wähler unter Sonstige. Quelle: wahlrecht.de.6 Wie treffsicher die Institute waren, zeigt die Seite Verlässlichkeit der Umfragen.

Wahlabend: Prognosen und Hochrechnungen

Die 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF sahen die SPD knapp vor der Union; die Hochrechnungen der Nacht näherten sich dem Ergebnis bis auf wenige Zehntelpunkte an. Erst das vorläufige Ergebnis am Morgen des 27. September 2021 bestätigte den Vorsprung der SPD von 1,6 Prozentpunkten.

Prognose

Tabelle

SPDUnionGrüneFDPAfDLinkeSonstige
Prognose ARD (Infratest dimap), 18:00 Uhr25,0 %25,0 %15,0 %11,0 %11,0 %5,0 %8,0 %
Prognose ZDF (Forschungsgruppe Wahlen), 18:00 Uhr26,0 %24,0 %14,5 %12,0 %10,0 %5,0 %8,5 %
Hochrechnung ARD, 23:36 Uhr25,8 %24,1 %14,6 %11,5 %10,5 %4,9 %8,6 %
Hochrechnung ZDF, 23:39 Uhr26,0 %24,2 %14,3 %11,5 %10,6 %5,0 %8,4 %
Endgültiges Ergebnis25,7 %24,1 %14,7 %11,4 %10,4 %4,9 %8,7 %

Prognosen und jeweils letzte Hochrechnung von ARD (Infratest dimap) und ZDF (Forschungsgruppe Wahlen) am 26. September 2021. Quelle: wahlrecht.de.7

Ergebnis im Einzelnen

Von 61.172.771 Wahlberechtigten gaben 46.707.343 ihre Stimme ab. Die SPD gewann 121 der 299 Wahlkreise, die CDU 98, die CSU 45, Grüne und AfD je 16 und die Linke drei. Die Grünen holten damit so viele Direktmandate wie nie zuvor, die AfD gewann alle ihre Wahlkreise in den östlichen Ländern.8

Die Linke verfehlte mit 4,9 % die Fünf-Prozent-Hürde, zog aber dank der Grundmandatsklausel mit 39 Abgeordneten in Fraktionsstärke ein, weil sie mindestens drei Wahlkreise gewonnen hatte. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), von der Sperrklausel als Partei der dänischen Minderheit befreit, erhielt erstmals seit 1949 wieder einen Sitz. Auf Parteien ohne Sitz entfielen 8,6 Prozent der Zweitstimmen (2017: 5,0 Prozent), darunter die Freien Wähler, die Tierschutzpartei und die erstmals angetretene Partei dieBasis. Mehr dazu: Fünf-Prozent-Hürde.

Direktmandate

Kleinparteien

Tabelle

ParteiZweitstimmenAnteil 2021Anteil 2017
Freie Wähler1.125.6672,43 %1,0 %
Tierschutzpartei673.6691,46 %0,8 %
dieBasis630.1531,36 %
Die PARTEI460.4310,99 %1,0 %
Team Todenhöfer211.8540,46 %
Piraten169.5870,37 %0,4 %
Volt164.3000,35 %
ÖDP112.1290,24 %0,3 %
NPD64.3600,14 %0,4 %
SSW55.5780,12 %

Parteien ohne Fraktion mit den meisten Zweitstimmen; „–“: 2017 nicht angetreten. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.9

Der größte Bundestag

Der 20. Bundestag trat am 26. Oktober 2021 mit 736 Abgeordneten zusammen – 138 mehr als die gesetzliche Regelgröße von 598 und so viele wie nie zuvor. Ursache waren 34 Überhangmandate (CDU 12, CSU 11, SPD 10, AfD 1) und die zu ihrem Ausgleich nötigen Zusatzsitze; drei Überhangmandate der CSU blieben nach der Wahlrechtsänderung von 2020 erstmals unausgeglichen.7 Bärbel Bas (SPD) wurde in der konstituierenden Sitzung zur Bundestagspräsidentin gewählt – nach Annemarie Renger und Rita Süssmuth die dritte Frau in diesem Amt.10 Die Wahlrechtsreform von 2023 begrenzte den Bundestag anschließend auf 630 Sitze (siehe Wahlrecht).

Ergebnisse in den Ländern

Die SPD wurde in zwölf Ländern stärkste Partei, die AfD in Sachsen und Thüringen, die CDU in Baden-Württemberg und die CSU in Bayern. Ihr bestes Ergebnis erzielte die SPD im Saarland, wo die Grünen nicht mit einer Landesliste antraten. Die Grünen lagen in Hamburg vorn (24,9 Prozent), die FDP in Baden-Württemberg (15,3 Prozent), die Linke in Berlin (11,5 Prozent). Die AfD kam in allen fünf östlichen Flächenländern auf mindestens 18 Prozent, in Hamburg dagegen auf 5,0 Prozent.11

Stärkste Partei

AfD

Wahlbeteiligung

Briefwahl

Tabelle

LandBeteiligungBriefwahlCDU/CSUSPDGrüneFDPLinkeAfDFW
Schleswig-Holstein78,2 %33,1 %22,0 %28,0 %18,3 %12,5 %3,6 %6,8 %1,0 %
Hamburg77,8 %51,3 %15,4 %29,7 %24,9 %11,4 %6,7 %5,0 %0,6 %
Niedersachsen74,7 %33,6 %24,2 %33,1 %16,1 %10,5 %3,3 %7,4 %0,8 %
Bremen71,9 %46,1 %17,2 %31,5 %20,9 %9,3 %7,7 %6,9 %0,9 %
Nordrhein-Westfalen76,4 %48,2 %26,0 %29,1 %16,1 %11,4 %3,7 %7,3 %0,7 %
Hessen76,2 %51,1 %22,8 %27,6 %15,8 %12,8 %4,3 %8,8 %1,7 %
Rheinland-Pfalz77,2 %60,9 %24,7 %29,4 %12,6 %11,7 %3,3 %9,2 %3,6 %
Baden-Württemberg77,8 %50,3 %24,8 %21,6 %17,2 %15,3 %3,3 %9,6 %1,7 %
Bayern79,9 %62,4 %31,7 %18,0 %14,1 %10,5 %2,8 %9,0 %7,5 %
Saarland77,3 %40,3 %23,6 %37,3 %11,5 %7,2 %10,0 %2,0 %
Berlin69,5 %47,0 %17,2 %22,2 %22,0 %8,1 %11,5 %9,4 %0,9 %
Brandenburg75,6 %34,9 %15,3 %29,5 %9,0 %9,3 %8,5 %18,1 %2,6 %
Mecklenburg-Vorpommern71,1 %34,9 %17,4 %29,1 %7,8 %8,2 %11,1 %18,0 %1,5 %
Sachsen76,5 %33,9 %17,2 %19,3 %8,6 %11,0 %9,3 %24,6 %2,3 %
Sachsen-Anhalt67,9 %34,2 %21,0 %25,4 %6,5 %9,5 %9,6 %19,6 %1,9 %
Thüringen74,9 %32,4 %16,9 %23,4 %6,6 %9,0 %11,4 %24,0 %2,1 %

Zweitstimmenanteile; Bayern: CSU. SSW in Schleswig-Holstein 3,2 %. Saarland: Landesliste der Grünen nicht zugelassen. Briefwahl: Anteil der Briefwählenden an allen Wählenden. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.1112

Wahlbeteiligung und Briefwahl

Auszählung der Briefwahlstimmen zur Bundestagswahl 2021 in Leipzig

Auszählung der Briefwahlstimmen zur Bundestagswahl 2021 in Leipzig am Wahlabend. Foto: LennBr, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Wahlbeteiligung lag nach dem endgültigen Ergebnis bei 76,6 Prozent (2017: 76,2 Prozent); nach der Wiederholungswahl in Berlin beträgt sie 76,4 Prozent. Am höchsten war sie in Bayern (79,9 Prozent), am niedrigsten in Sachsen-Anhalt (67,9 Prozent). Der Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler erreichte in der Pandemie mit 47,3 Prozent einen Höchstwert – ein Anstieg um 18,7 Punkte gegenüber 2017, so viel wie nie zuvor. In Bayern (62,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (60,9 Prozent) stimmte die Mehrheit per Brief ab, in Thüringen nur 32,4 Prozent.13 Die Entwicklung seit 1949: Wahlbeteiligung.

Union und SPD im langen Vergleich

Mit zusammen 49,8 Prozent der Zweitstimmen erreichten die beiden früheren Volksparteien 2021 den niedrigsten gemeinsamen Anteil seit 1949. Die Union fiel erstmals unter 30 Prozent; die SPD gewann zwar hinzu, blieb aber deutlich unter ihren Ergebnissen bis 2005.

Diagramm

Tabelle

WahlCDU/CSUSPDZusammen
194931,0 %29,2 %60,2 %
195345,2 %28,8 %74,0 %
195750,2 %31,8 %82,0 %
196145,3 %36,2 %81,5 %
196547,6 %39,3 %86,9 %
196946,1 %42,7 %88,8 %
197244,9 %45,8 %90,7 %
197648,6 %42,6 %91,2 %
198044,5 %42,9 %87,4 %
198348,8 %38,2 %87,0 %
198744,3 %37,0 %81,3 %
199043,8 %33,5 %77,3 %
199441,4 %36,4 %77,8 %
199835,1 %40,9 %76,0 %
200238,5 %38,5 %77,0 %
200535,2 %34,2 %69,4 %
200933,8 %23,0 %56,8 %
201341,5 %25,7 %67,2 %
201732,9 %20,5 %53,4 %
202124,1 %25,7 %49,8 %

Zweitstimmenanteile (1949: Stimmenanteile), bis 1987 früheres Bundesgebiet. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.8

Regierungsbildung: die Ampel

Die Generalsekretäre Volker Wissing (FDP), Michael Kellner (Grüne) und Lars Klingbeil (SPD) mit dem unterzeichneten Koalitionsvertrag am 7. Dezember 2021

Die Generalsekretäre Volker Wissing (FDP), Michael Kellner (Grüne) und Lars Klingbeil (SPD) mit dem unterzeichneten Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“ am 7. Dezember 2021 in Berlin. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Rechnerisch möglich waren neben einer Fortsetzung der großen Koalition nur Dreierbündnisse: eine Ampel unter SPD-Führung oder Jamaika unter Führung der Union; einem Bündnis aus SPD, Grünen und Linken fehlten wenige Sitze zur Mehrheit. Scholz beanspruchte am Wahlabend die Regierungsbildung, Laschet schloss eine Jamaika-Koalition zunächst nicht aus. Grüne und FDP verständigten sich zunächst untereinander, bevor SPD, Grüne und FDP zu dritt sondierten; die Sondierungen endeten am 15. Oktober 2021 in der Messe Berlin.

Die anschließenden Koalitionsverhandlungen endeten am 24. November 2021 mit dem Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“. Ein SPD-Parteitag stimmte ihm am 4. Dezember mit 98,8 Prozent zu, ein FDP-Parteitag am 5. Dezember, die Grünen befragten ihre Mitglieder bis zum 6. Dezember. Am 7. Dezember 2021 wurde der Vertrag unterzeichnet.

Am 8. Dezember 2021 wählte der Bundestag Olaf Scholz mit 395 von 707 abgegebenen Stimmen zum Bundeskanzler; 303 Abgeordnete stimmten gegen ihn, sechs enthielten sich. Das Kabinett Scholz war die erste Ampelkoalition auf Bundesebene; Vizekanzler wurde Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP).1415

Pannen in Berlin und Wiederholungswahl 2024

Warteschlange vor einem Wahllokal am Lehniner Platz in Berlin-Wilmersdorf am Vormittag des 26. September 2021

Warteschlange vor dem Wahllokal 509 am Lehniner Platz in Berlin-Wilmersdorf am Vormittag des 26. September 2021. Foto: Fridolin freudenfett, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

In Berlin, wo am Wahltag zugleich das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt wurden, ein Volksentscheid stattfand und der Berlin-Marathon lief, kam es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten: In Wahllokalen fehlten Stimmzettel oder es lagen falsche aus, Wahlräume mussten zeitweise schließen, vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen mit sehr langen Wartezeiten, und vielerorts wurde noch nach 18 Uhr gewählt, als die ersten Prognosen bereits veröffentlicht waren.16 Der Bundeswahlleiter legte deshalb am 19. November 2021 Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahl in sechs Berliner Wahlkreisen ein, weil die Fehler den Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl verletzt hätten und mandatsrelevant gewesen sein könnten.17

Beim Bundestag gingen 1.713 Wahleinsprüche zum Wahlgeschehen in Berlin ein. Er beschloss am 10. November 2022 eine Wiederholung in 431 Wahlbezirken; das Bundesverfassungsgericht weitete sie am 19. Dezember 2023 auf 455 der 2.256 Berliner Wahlbezirke aus, weil der Bundestag die Wahlniederschriften nicht ausreichend ausgewertet hatte.16

Die Wiederholungswahl fand am 11. Februar 2024 statt. Bundesweit änderten sich die Zweitstimmenanteile nur um Zehntelpunkte, die Wahlbeteiligung sank auf 76,4 Prozent. Die FDP verlor einen Berliner Sitz, der Bundestag verkleinerte sich von 736 auf 735 Abgeordnete; drei weitere Berliner Mandate von SPD, Grünen und Linken wanderten in andere Landesverbände.18 Alle Zahlen auf dieser Seite schließen die Wiederholungswahl ein. Die Berliner Landeswahl wurde bereits am 12. Februar 2023 vollständig wiederholt (siehe Berlin 2026).

Folgen

Armin Laschet kündigte nach der Niederlage seinen Rückzug vom CDU-Vorsitz an. Die Linksfraktion löste sich Ende 2023 auf, nachdem Abgeordnete um Sahra Wagenknecht die Partei verlassen hatten; seit 2024 bestanden im Bundestag die Gruppen Die Linke und BSW.10

Die Ampelkoalition zerbrach am 6. November 2024, als Scholz Finanzminister Lindner entließ und die Vertrauensfrage ankündigte. Nach der verlorenen Vertrauensfrage vom 16. Dezember 2024 löste der Bundespräsident den 20. Bundestag auf; die vorgezogene Neuwahl fand am 23. Februar 2025 statt.15 Mehr dazu: Bundestagswahl 2025.

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse Deutschland – Bundestagswahl 2021, endgültiges Ergebnis einschließlich der Wiederholungswahl in Teilen Berlins vom 11.02.2024. Prozentwerte in den Diagrammen mit zwei Nachkommastellen aus den Stimmenzahlen berechnet. 2

  2. Wikipedia, Bundestagswahlrecht, Abschnitt zur Wahlrechtsänderung 2020, abgerufen am 14.09.2026.

  3. Wikipedia, Bundestagswahl 2021, abgerufen am 14.09.2026 (Ausgangslage, Kandidaten, Wahlkampf). 2

  4. Wikipedia, Annalena Baerbock, abgerufen am 14.09.2026.

  5. Wikipedia, Armin Laschet, abgerufen am 14.09.2026.

  6. wahlrecht.de, Sonntagsfrage Bundestagswahl, Archive der Institute Allensbach, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap, INSA, Kantar (Emnid) und YouGov, abgerufen am 14.09.2026. Monatsmittel eigene Berechnung.

  7. wahlrecht.de, Bundestagswahl am 26. September 2021 – Sitzverteilung im Detail, 18-Uhr-Prognosen und Hochrechnungen, Stand 15.10.2021. 2

  8. Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Bundestagswahlen (PDF), Tabellen zu Stimmenanteilen seit 1949 sowie zu Wahlkreis- und Listensitzen. 2

  9. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2021: Endgültiges Ergebnis, Pressemitteilung Nr. 52/21, 15.10.2021.

  10. Wikipedia, 20. Deutscher Bundestag, abgerufen am 14.09.2026. 2

  11. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2021 – Ergebnisse nach Ländern, Länderseiten, endgültiges Ergebnis einschließlich der Wiederholungswahl in Berlin. 2

  12. Die Bundeswahlleiterin, Anteil der Briefwählenden bei den Bundestagswahlen 1994 bis 2021 nach Ländern (PDF), Stand 26.09.2024.

  13. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2021: Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler bei 47,3 %, Pressemitteilung Nr. 53/21, 15.10.2021.

  14. Deutscher Bundestag, Olaf Scholz mit 395 Stimmen zum Bundeskanzler gewählt, 08.12.2021.

  15. Wikipedia, Kabinett Scholz, abgerufen am 14.09.2026. 2

  16. Bundesverfassungsgericht, Die Bundestagswahl muss in 455 von 2.256 Wahlbezirken in Berlin wiederholt werden, Pressemitteilung Nr. 119/2023 zum Urteil 2 BvC 4/23, 19.12.2023. 2

  17. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2021: Bundeswahlleiter legt Einspruch in sechs Berliner Wahlkreisen ein, Pressemitteilung Nr. 54/21, 19.11.2021.

  18. Die Bundeswahlleiterin, Wiederholung der Bundestagswahl 2021: Vorläufiges Ergebnis, Pressemitteilung Nr. 05/24, 12.02.2024.

Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.

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