Verlässlichkeit der Umfragen: Wie genau lagen die Institute?
Abweichungen der letzten Umfragen vom Wahlergebnis: Bundestagswahl 2025 und Landtagswahlen 2026
Die jeweils letzten Umfragen vor der Bundestagswahl 2025 wichen je Partei im Durchschnitt um 0,60 bis 1,73 Prozentpunkte vom amtlichen Ergebnis ab. Am nächsten lag YouGov, am weitesten entfernt Infratest dimap – dessen letzte Umfrage war allerdings bereits zehn Tage vor der Wahl erschienen. Alle Institute sahen die Linke zu schwach und die Grünen zu stark.
Deutlich größer waren die Abweichungen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026: Alle Institute hatten die CDU um 4,8 bis 5,8 Punkte zu hoch eingeschätzt.
Umfragen sind Momentaufnahmen, keine Vorhersagen. Ein Vergleich mit dem Wahlergebnis zeigt daher nicht nur Messfehler, sondern auch Stimmungsänderungen in den letzten Tagen vor der Wahl. Die aktuellen Werte stehen auf der Seite Umfragen zur Bundestagswahl 2029, Porträts der Institute auf der Seite Umfrageinstitute.
Bundestagswahl 2025: Abweichungen je Institut
Verglichen wird jeweils die letzte vor der Wahl veröffentlichte Sonntagsfrage eines Instituts mit dem Ergebnis der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025. Das Diagramm zeigt die mittlere Abweichung je Institut, die Tabelle die Abweichung je Partei in Prozentpunkten: Ein positiver Wert bedeutet, dass die Partei in der Umfrage höher lag als im Ergebnis.
Diagramm
Tabelle
| Institut (Veröffentlichung) | Union | SPD | Grüne | FDP | Linke | AfD | BSW | Summe | Mittel | Max. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| YouGov (21.02.) | +0,5 | −0,4 | +1,4 | −0,3 | −0,8 | −0,8 | +0,02 | 4,22 | 0,60 | 1,4 |
| Forschungsgruppe Wahlen (20.02.) | −0,5 | −0,4 | +2,4 | +0,2 | −0,8 | +0,2 | −0,48 | 4,98 | 0,71 | 2,4 |
| Ipsos (21.02.) | +1,5 | −0,4 | +0,4 | +0,2 | −1,8 | +0,2 | −0,48 | 4,98 | 0,71 | 1,8 |
| INSA (22.02.) | +1,0 | −1,4 | +0,9 | +0,2 | −1,3 | +0,2 | +0,02 | 5,02 | 0,72 | 1,4 |
| Forsa (21.02.) | +0,5 | −1,4 | +1,4 | +0,7 | −0,8 | +0,2 | −1,98 | 6,98 | 1,00 | 1,98 |
| Allensbach (21.02.) | +3,5 | −1,9 | +0,4 | +0,2 | −1,3 | −0,8 | −0,48 | 8,58 | 1,23 | 3,5 |
| GMS (19.02.) | +2,5 | −1,4 | +1,4 | −0,3 | −2,8 | −0,8 | −0,98 | 10,18 | 1,45 | 2,8 |
| Verian (31.01.) | +1,5 | −1,4 | +2,4 | −0,3 | −4,8 | −0,8 | +0,02 | 11,22 | 1,60 | 4,8 |
| Infratest dimap (13.02.) | +3,5 | −2,4 | +2,4 | −0,3 | −2,8 | +0,2 | −0,48 | 12,08 | 1,73 | 3,5 |
| Wahlergebnis 2025 | 28,5 % | 16,4 % | 11,6 % | 4,3 % | 8,8 % | 20,8 % | 4,98 % |
Abweichungen in Prozentpunkten; Summe, Mittel und Maximum der absoluten Abweichungen. Ergebnis laut wahlrecht.de auf eine Nachkommastelle gerundet, beim BSW mit zwei Nachkommastellen. Ipsos gehört nicht zu den acht Instituten der wahlrecht.de-Übersicht, ist dort aber in der Vergleichstabelle zur Wahl 2025 enthalten. Quellen: wahlrecht.de, Die Bundeswahlleiterin; eigene Berechnung.12
Beobachtungen
- Linke: Alle neun Institute sahen die Linke unter ihrem Ergebnis von 8,8 Prozent, und zwar um 0,8 bis 4,8 Punkte.
- Grüne: Alle neun Institute sahen die Grünen über ihrem Ergebnis von 11,6 Prozent, um 0,4 bis 2,4 Punkte.
- Union: Acht von neun Instituten lagen über dem Ergebnis von 28,5 Prozent, nur die Forschungsgruppe Wahlen darunter.
- BSW: Die Umfragen lagen zwischen 3 und 5 Prozent. Das BSW scheiterte mit 4,98 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde.
- AfD: Alle Institute lagen innerhalb von einem Punkt am Ergebnis von 20,8 Prozent.
So wurde gerechnet
- Abweichung = Umfragewert minus Wahlergebnis, in Prozentpunkten, für die sieben Parteien Union, SPD, Grüne, FDP, Linke, AfD und BSW.
- Mittlere absolute Abweichung = Summe der Abweichungen ohne Vorzeichen, geteilt durch sieben. Sie gibt an, um wie viele Punkte ein Institut je Partei im Durchschnitt danebenlag.
- Maximum = größte Einzelabweichung.
- Die Freien Wähler und die sonstigen Parteien sind nicht berücksichtigt, weil die Institute sie unterschiedlich ausweisen.
- Die Umfragewerte sind auf ganze oder halbe Prozentpunkte gerundet. Schon dadurch entstehen Abweichungen von bis zu einem halben Punkt.
- Die Umfragen erschienen unterschiedlich früh: Die letzte Verian-Umfrage war am Wahltag gut drei Wochen alt, die von Infratest dimap zehn Tage, die übrigen höchstens vier Tage. Ein direkter Vergleich ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig.
Landtagswahlen 2026: Beispiele
Sachsen-Anhalt (6. September 2026)
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis mit 43,8 Prozent stärkste Partei vor der CDU mit 17,2 Prozent.3 Verglichen wird wieder die jeweils letzte Umfrage vor der Wahl:
Diagramm
Tabelle
| Institut / Auftraggeber (Veröffentlichung) | CDU | SPD | Grüne | FDP | Linke | AfD | BSW | Summe | Mittel |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Infratest dimap / ARD (26.08.) | +4,8 | −1,3 | −2,9 | +0,4 | +2,4 | −1,8 | −1,3 | 14,9 | 2,13 |
| Forschungsgruppe Wahlen / ZDF (03.09.) | +5,8 | −0,8 | −2,9 | +0,4 | +2,9 | −2,8 | −1,3 | 16,9 | 2,41 |
| INSA / NIUS (02.09.) | +4,8 | −2,3 | −3,9 | +0,4 | +3,4 | −0,8 | −1,3 | 16,9 | 2,41 |
| pollytix / Campact (12.08.) | +5,8 | −2,3 | −3,9 | −0,6 | +4,4 | −0,8 | −1,3 | 19,1 | 2,73 |
| Wahlergebnis 2026 (vorläufig) | 17,2 % | 9,3 % | 8,9 % | 2,6 % | 8,6 % | 43,8 % | 5,3 % |
Abweichungen in Prozentpunkten; Summe und Mittel der absoluten Abweichungen. Quellen: wahlrecht.de, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt (vorläufiges Ergebnis); eigene Berechnung.4
- CDU: Alle Institute sahen die CDU um 4,8 bis 5,8 Punkte über ihrem Ergebnis.
- Grüne und BSW: Beide Parteien wurden von allen Instituten unterschätzt; das BSW lag in allen Umfragen bei 4 Prozent und erreichte 5,3 Prozent.
- Linke: Alle Institute sahen die Linke über ihrem Ergebnis.
- AfD: Die letzten Umfragen sahen die AfD bei 41 bis 43 Prozent, das Ergebnis lag bei 43,8 Prozent.
Die INSA-Umfrage entstand im Auftrag des Portals NIUS. wahlrecht.de weist darauf hin, dass NIUS weder der freiwilligen Selbstkontrolle durch den Deutschen Presserat noch der Programmkontrolle durch Rundfunkräte unterliegt. Mehr zur Wahl auf der Seite Landtagswahlen.
Baden-Württemberg (8. März 2026)
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg erreichten die Grünen 30,2 Prozent, die CDU 29,7 Prozent und die AfD 18,8 Prozent. Die mittlere Abweichung über sechs Parteien (Grüne, CDU, AfD, SPD, FDP, Linke) betrug bei der Forschungsgruppe Wahlen 1,57 Punkte, bei Infratest dimap 1,65 und bei INSA 2,80 Punkte. INSA hatte die Grünen mit 24 Prozent um 6,2 Punkte unterschätzt, die Forschungsgruppe Wahlen um 2,2 Punkte.5
Rheinland-Pfalz (22. März 2026)
In Rheinland-Pfalz lag die CDU mit 31,0 Prozent vor der SPD mit 25,9 und der AfD mit 19,5 Prozent. Weil nicht alle Umfragen einen Wert für die FDP auswiesen, wurde die mittlere Abweichung über sechs Parteien berechnet: Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap lagen bei jeweils 0,93 Punkten, INSA bei 1,18 Punkten. Alle drei Institute sahen die CDU zwei bis drei Punkte zu niedrig.6
Fehlertoleranz: Wie genau kann eine Umfrage sein?
Laut Bundeszentrale für politische Bildung beruhen Umfrageergebnisse je nach Kostenrahmen auf 1.000 bis 2.000 Befragten; die Fehlertoleranz beträgt je nach Umfang und Methode der Erhebung etwa zwei bis vier Prozent.7 Veränderungen innerhalb dieser Spanne gelten als nicht signifikant; die Toleranz bezieht sich auf absolute Prozentwerte.8
Für eine reine Zufallsstichprobe lässt sich die statistische Fehlertoleranz mit einer Standardformel näherungsweise berechnen (95-Prozent-Konfidenzintervall: ±1,96 × √(p × (100 − p) / n), p = Anteil einer Partei in Prozent, n = Zahl der Befragten). Die Tabelle zeigt die Ergebnisse (eigene Berechnung):
| Anteil der Partei | 1.000 Befragte | 2.000 Befragte | 2.500 Befragte |
|---|---|---|---|
| 5 % | ± 1,4 Punkte | ± 1,0 Punkte | ± 0,9 Punkte |
| 10 % | ± 1,9 Punkte | ± 1,3 Punkte | ± 1,2 Punkte |
| 20 % | ± 2,5 Punkte | ± 1,8 Punkte | ± 1,6 Punkte |
| 30 % | ± 2,8 Punkte | ± 2,0 Punkte | ± 1,8 Punkte |
| 40 % | ± 3,0 Punkte | ± 2,1 Punkte | ± 1,9 Punkte |
Die Werte sind eine Näherung: Die Institute gewichten ihre Rohdaten, Online-Panels arbeiten mit Quoten statt mit Zufallsstichproben. Hinzu kommen systematische Fehler, die sich durch größere Stichproben nicht verringern lassen. Als Ursachen nennt die Wahlforschung unter anderem:
- Unentschlossene und Wechselwähler, die sich erst kurz vor der Wahl entscheiden,
- taktisches Wählen,
- Menschen, die an Umfragen nicht teilnehmen (Nonresponse),
- sozial erwünschte Antworten.
Ergebnisse von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe dürfen vor Ablauf der Wahlzeit um 18 Uhr nicht veröffentlicht werden.9
Begriffe
- Sonntagsfrage: Frage nach der aktuellen Wahlabsicht, meist in der Form „Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie wählen?“ Je nach Institut werden die Parteien vorgegeben oder offen erfragt.10
- Politische Stimmung: gewichtete Antworten auf die Sonntagsfrage. GMS bezeichnet seine Stimmungswerte als Rohzahlen ohne politische Gewichtung.11
- Projektion: Die Forschungsgruppe Wahlen berücksichtigt darin zusätzlich längerfristige Überzeugungen, taktische Überlegungen und frühere Wahlergebnisse.12 Laut wahlrecht.de sind die veröffentlichten Sonntagsfragen aller großen Institute Projektionen.13
- Prognose: erste Schätzung der Institute am Wahltag um 18 Uhr, unter anderem auf Grundlage von Befragungen nach der Stimmabgabe vor den Wahllokalen („Exit Polls“).14
- Hochrechnung: Schätzung auf Grundlage amtlich ermittelter Ergebnisse repräsentativ ausgewählter Wahlbezirke. Sie wird genauer, je mehr Teilergebnisse vorliegen. Die Stimmbezirke sind laut bpb so ausgewählt, dass sie in ihrer Gesamtheit das Ergebnis der vorangegangenen Wahl abbilden.7
- Vorläufiges Ergebnis: wird in der Wahlnacht von der Bundeswahlleiterin ermittelt.
- Endgültiges Ergebnis: wird vom Bundeswahlausschuss festgestellt und etwa drei Wochen nach der Wahl im Bundesanzeiger bekanntgemacht.
Weiterführende Artikel
- Bundeszentrale für politische Bildung: Prognosen, Hochrechnungen, Umfragen
- Die Bundeswahlleiterin: Hintergrundinformation zur Bundestagswahl 2025: Prognose, Hochrechnung, Ergebnis (21.02.2025)
- tagesschau: Wahl in Sachsen-Anhalt: Der größte Wahlerfolg der AfD (06.09.2026)
- ZDFheute: Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Alle Ergebnisse in Grafiken (06.09.2026)
- bpb: Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026: AfD stärkste Kraft (08.09.2026)
- Deutschlandfunk: Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Taktisch wählen gegen die AfD? (26.08.2026)
- MDR: Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD bei 41 Prozent, CDU verliert weiter (08.05.2026)
- wahlrecht.de: Die letzten Umfragen zur Bundestagswahl 2025
Einzelnachweise
-
wahlrecht.de, Die letzten Umfragen zur Bundestagswahl 2025, abgerufen am 14.09.2026. Abweichungen: eigene Berechnung. ↩
-
Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025: Endgültiges Ergebnis. ↩
-
Bundeszentrale für politische Bildung, Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026: AfD stärkste Kraft, 08.09.2026. ↩
-
wahlrecht.de, Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, abgerufen am 14.09.2026. Abweichungen: eigene Berechnung. ↩
-
wahlrecht.de, Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, abgerufen am 14.09.2026. Abweichungen: eigene Berechnung. ↩
-
wahlrecht.de, Umfragen zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, abgerufen am 14.09.2026. Abweichungen: eigene Berechnung. ↩
-
Bundeszentrale für politische Bildung, Prognosen, Hochrechnungen, Umfragen. ↩ ↩2
-
Wikipedia, Wahlforschung, Abschnitt Fehlertoleranz, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
Bundeswahlgesetz, § 32 Abs. 2. ↩
-
wahlrecht.de, Umfragen von GMS. ↩
-
wahlrecht.de, Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen. ↩
-
wahlrecht.de, Sonntagsfrage Bundestagswahl, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
Die Bundeswahlleiterin, Hintergrundinformation zur Bundestagswahl 2025: Prognose, Hochrechnung, Ergebnis, 21.02.2025. ↩
Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.






