Bundestagswahl 2017: Ergebnis, Jamaika-Aus und große Koalition

Wahl zum 19. Deutschen Bundestag am 24. September 2017

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung der CSU in Erlangen am 30. August 2017

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung der CSU auf dem Rathausplatz in Erlangen am 30. August 2017. Foto: Markus Spiske, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 4.0

Bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 blieben CDU und CSU mit 32,9 % der Zweitstimmen stärkste Kraft, verloren aber 8,6 Prozentpunkte. Die SPD fiel auf 20,5 %, die AfD zog mit 12,6 % erstmals in den Bundestag ein, und die FDP kehrte mit 10,8 % nach vier Jahren zurück. Mit sechs Fraktionen war der Bundestag so vielfältig wie zuletzt nach der Wahl 1949, mit 709 Abgeordneten so groß wie nie zuvor. Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen bildeten Union und SPD erneut eine große Koalition; Angela Merkel (CDU) wurde am 14. März 2018 – 171 Tage nach der Wahl – zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt.1

Die größten Veränderungen gegenüber 2013 verzeichneten die Union (−8,6 Prozentpunkte), die AfD (+7,9) und die FDP (+6,0). Union und SPD kamen zusammen nur noch auf 53,4 Prozent, nach 67,2 Prozent vier Jahre zuvor. Die Wahlbeteiligung stieg auf 76,2 Prozent.

Ergebnis

Sitze

Sitzverteilung

Koalitionen

Tabelle

ParteiZweitstimmenAnteilDirektmandateSitzeSitze 2013
CDU12.447.65626,8 %185200255
SPD9.539.38120,5 %59153193
AfD5.878.11512,6 %394
FDP4.999.44910,7 %80
Die Linke4.297.2709,2 %56964
Bündnis 90/Die Grünen4.158.4008,9 %16763
CSU2.869.6886,2 %464656
Freie Wähler463.2921,0 %
Die PARTEI454.3491,0 %
Tierschutzpartei374.1790,8 %
NPD176.0200,4 %
Piraten173.4760,4 %
ÖDP144.8090,3 %
Gesamt46.515.492100 %299709631

Endgültiges Ergebnis; die Gesamtzeile umfasst alle gültigen Zweitstimmen, auch die der nicht aufgeführten Kleinparteien. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.1

Ausgangslage

Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union mit 41,5 Prozent die absolute Mehrheit der Sitze nur um fünf Mandate verfehlt, während ihr Koalitionspartner FDP mit 4,8 Prozent erstmals aus dem Bundestag ausschied und die im Februar 2013 gegründete AfD mit 4,7 Prozent knapp scheiterte. CDU, CSU und SPD bildeten daraufhin die zweite große Koalition unter Angela Merkel; das Kabinett Merkel III wurde am 17. Dezember 2013 vereidigt.

Die Flüchtlingskrise veränderte ab Herbst 2015 das politische Klima: Die Union, die bis dahin selten unter 40 Prozent lag, verlor in den Umfragen, die AfD legte deutlich zu und zog im März 2016 in drei weitere Landtage ein. Bundespräsident Joachim Gauck fertigte am 23. Januar 2017 die Anordnung über den 24. September 2017 als Wahltag aus. Wahlberechtigt waren 61.688.485 Deutsche, darunter etwa drei Millionen Erstwählerinnen und Erstwähler; Landeslisten von 34 Parteien wurden zugelassen.

Kanzlerkandidaten und Spitzenkandidaten

Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, bei einem Wahlkampfauftritt in Münster am 6. September 2017

Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, bei einem Wahlkampfauftritt in der Stubengasse in Münster am 6. September 2017. Foto: Christallkeks, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

  • Angela Merkel (CDU), seit 2005 Bundeskanzlerin, gab am 20. November 2016 bekannt, für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Ende Januar 2017 stellte CSU-Chef Horst Seehofer klar, dass sie gemeinsame Kanzlerkandidatin beider Unionsparteien werde.
  • Martin Schulz (SPD), bis Januar 2017 Präsident des Europäischen Parlaments, wurde Kanzlerkandidat, nachdem Parteichef Sigmar Gabriel am 24. Januar 2017 auf Kandidatur und Vorsitz verzichtet hatte. Ein Sonderparteitag wählte Schulz am 19. März 2017 mit 100 Prozent der gültigen Stimmen zum Parteivorsitzenden und nominierte ihn einstimmig als Kanzlerkandidaten.
  • Die Grünen bestimmten ihr Spitzenduo per Urwahl: Am 18. Januar 2017 setzten sich Katrin Göring-Eckardt (70,6 Prozent, einzige Bewerberin um den Frauenplatz) und Cem Özdemir durch, der mit 36,0 Prozent nur 75 Stimmen vor Robert Habeck lag.
  • Die Linke trat mit den Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch an, die FDP mit ihrem Vorsitzenden Christian Lindner. Die AfD nominierte am 23. April 2017 auf ihrem Kölner Parteitag mit 67,7 Prozent der Delegierten Alexander Gauland und Alice Weidel als Spitzenkandidaten; die Parteivorsitzende Frauke Petry hatte zuvor erfolglos eine Spitzenkandidatur für sich angestrebt.2

Wahlkampf

Nach der Nominierung von Martin Schulz stieg die SPD in den Umfragen innerhalb weniger Wochen von rund 21 auf über 30 Prozent und lag im Februar und März 2017 in mehreren Umfragen gleichauf mit der Union oder vor ihr – der „Schulz-Effekt“. Nach den verlorenen Landtagswahlen im Saarland (März), in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen (Mai 2017) fiel die SPD jedoch wieder zurück; die Union erreichte im Sommer in einzelnen Umfragen 40 Prozent. Die FDP war seit Mai 2017 erstmals seit dem Frühjahr 2010 wieder zweistellig; hinter den beiden großen Parteien lagen AfD, FDP, Linke und Grüne bis zur Wahl in einem engen Korridor.

Das einzige Fernsehduell zwischen Merkel und Schulz fand am 3. September 2017 statt, gemeinsam ausgestrahlt von Das Erste, ZDF, RTL und Sat.1. Die SPD hatte zu Jahresbeginn erklärt, keine weitere große Koalition anzustreben; eine Koalition mit der AfD lehnten alle übrigen Parteien ab.2

Umfragen vor der Wahl

Entwicklung

Letzte Umfragen

Tabelle

InstitutDatumUnionSPDAfDFDPLinkeGrüneSonstige
Allensbach22.09.201736 %22 %10 %10,5 %9,5 %8 %4 %
Forsa22.09.201736 %22 %11 %9,5 %9,5 %7 %5 %
Forschungsgruppe Wahlen21.09.201736 %21,5 %11 %10 %8,5 %8 %5 %
GMS21.09.201737 %22 %10 %9 %9 %8 %5 %
Infratest dimap14.09.201737 %20 %12 %9,5 %9 %7,5 %5 %
INSA22.09.201734 %21 %13 %9 %11 %8 %4 %
Kantar (Emnid)22.09.201735 %22 %11 %9 %10 %8 %5 %
YouGov21.09.201736 %23 %10 %9 %10 %7 %5 %
Wahl 24.09.201732,9 %20,5 %12,6 %10,8 %9,2 %8,9 %5,0 %

Jeweils letzte Sonntagsfrage des Instituts vor der Wahl. Quelle: wahlrecht.de.3 Die AfD schnitt bei der Wahl um gut anderthalb Punkte besser ab, als die Umfragen im Mittel erwarten ließen. Mehr dazu: Verlässlichkeit der Umfragen.

Wahlabend: Prognosen und Hochrechnungen

Angela Merkel am Wahlabend im Konrad-Adenauer-Haus, umringt von Thomas de Maizière, Ursula von der Leyen, Peter Tauber und Günther Oettinger

Angela Merkel am Wahlabend des 24. September 2017 auf der Wahlparty der CDU im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, mit Thomas de Maizière, Ursula von der Leyen, Peter Tauber und Günther Oettinger. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF trafen die Rangfolge der Parteien; die Union lag in der Prognose etwas höher, die AfD etwas niedriger als im Ergebnis. Die letzten Hochrechnungen nach Mitternacht wichen nur noch um Zehntelpunkte vom vorläufigen Ergebnis ab, das der Bundeswahlleiter am 25. September 2017 um 5:25 Uhr bekannt gab.

Prognose

Tabelle

UnionSPDAfDFDPLinkeGrüneSonstige
Prognose ARD (Infratest dimap), 18:00 Uhr32,5 %20,0 %13,5 %10,5 %9,0 %9,5 %5,0 %
Prognose ZDF (Forschungsgruppe Wahlen), 18:00 Uhr33,5 %21,0 %13,0 %10,0 %9,0 %9,0 %4,5 %
Hochrechnung ZDF, 23:30 Uhr32,9 %20,8 %13,0 %10,4 %9,0 %9,0 %4,9 %
Hochrechnung ARD, 0:08 Uhr32,9 %20,5 %12,9 %10,7 %9,2 %8,9 %4,9 %
Endgültiges Ergebnis32,9 %20,5 %12,6 %10,8 %9,2 %8,9 %5,0 %

Prognosen und jeweils letzte Hochrechnung von ARD (Infratest dimap) und ZDF (Forschungsgruppe Wahlen) am 24. und 25. September 2017. Quelle: wahlrecht.de.4

Ergebnis im Einzelnen

Von 61.688.485 Wahlberechtigten gaben 46.976.341 ihre Stimme ab. Die CDU gewann 185 der 299 Wahlkreise, die CSU alle 46 bayerischen, die SPD 59, die Linke fünf, die AfD drei und die Grünen einen.5

Für die Union war es das schlechteste Ergebnis seit 1949, für die SPD das schlechteste bei einer Bundestagswahl überhaupt – bis sie 2025 noch tiefer fiel. Die AfD wurde mit 12,6 % drittstärkste Kraft; im Osten (einschließlich Berlin-Ost) kam sie auf 21,9 Prozent, im Westen auf 10,7 Prozent. Auf Parteien ohne Sitz entfielen nur 5,0 Prozent der Zweitstimmen; die größten waren die Freien Wähler und Die PARTEI mit je 1,0 Prozent. Mehr dazu: Fünf-Prozent-Hürde.

Wahlparty des AfD-Landesverbands Thüringen in Erfurt am Abend der Bundestagswahl 2017

Wahlparty des AfD-Landesverbands Thüringen in Erfurt am Abend der Bundestagswahl 2017. Foto: Vincent Eisfeld, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Direktmandate

Kleinparteien

Tabelle

ParteiZweitstimmenAnteil 2017Anteil 2013
Freie Wähler463.2921,00 %1,0 %
Die PARTEI454.3490,98 %0,2 %
Tierschutzpartei374.1790,80 %0,3 %
NPD176.0200,38 %1,3 %
Piraten173.4760,37 %2,2 %
ÖDP144.8090,31 %0,3 %
Bündnis Grundeinkommen97.5390,21 %
V-Partei³64.0730,14 %
Deutsche Mitte63.2030,14 %
Demokratie in Bewegung60.9140,13 %

Parteien ohne Sitz mit den meisten Zweitstimmen; „–“: 2013 nicht angetreten. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.6

Der bis dahin größte Bundestag

Der 19. Bundestag trat am 24. Oktober 2017 mit 709 Abgeordneten zusammen, 111 mehr als die Regelgröße von 598. Die CDU hatte 36 Wahlkreise mehr gewonnen, als ihr nach Zweitstimmen zustanden, die CSU sieben und die SPD drei – zusammen 46 Überhangmandate, die durch Ausgleichsmandate für die anderen Parteien ausgeglichen wurden.4 Wolfgang Schäuble (CDU) wurde zum Bundestagspräsidenten gewählt. Der Frauenanteil unter den Abgeordneten sank auf den niedrigsten Stand seit 1998; in der AfD-Fraktion lag er bei 10,6 Prozent. Vier Jahre später wuchs der Bundestag auf 736 Sitze, bevor die Wahlrechtsreform von 2023 seine Größe auf 630 festlegte (siehe Bundestagswahl 2021 und Wahlrecht).

Ergebnisse in den Ländern

Die Union wurde in 14 Ländern stärkste Partei, die SPD nur in Bremen, die AfD in Sachsen, wo sie mit 27,0 Prozent knapp vor der CDU (26,9 Prozent) lag. In allen fünf östlichen Flächenländern erreichte die AfD mindestens 18 Prozent und wurde außer in Sachsen jeweils zweitstärkste Kraft; im Westen lag sie in Bayern (12,4 Prozent), Baden-Württemberg (12,2 Prozent) und Hessen (11,9 Prozent) am höchsten. Die Linke war in Berlin mit 18,8 Prozent zweitstärkste Partei, die FDP erzielte ihr bestes Ergebnis in Nordrhein-Westfalen (13,1 Prozent), die Grünen in Hamburg (13,9 Prozent).7

CDU/CSU

AfD

Linke

Wahlbeteiligung

Briefwahl

Tabelle

LandBeteiligungBriefwahlCDU/CSUSPDAfDFDPLinkeGrüneFW
Schleswig-Holstein76,3 %22,1 %34,0 %23,3 %8,2 %12,6 %7,3 %12,0 %0,6 %
Hamburg76,0 %37,0 %27,2 %23,5 %7,8 %10,8 %12,2 %13,9 %0,4 %
Niedersachsen76,4 %22,0 %34,9 %27,4 %9,1 %9,3 %7,0 %8,7 %0,4 %
Bremen70,8 %25,2 %25,1 %26,8 %10,0 %9,3 %13,4 %11,1 %0,4 %
Nordrhein-Westfalen75,4 %30,8 %32,6 %26,0 %9,4 %13,1 %7,5 %7,6 %0,3 %
Hessen77,0 %26,7 %30,9 %23,5 %11,9 %11,5 %8,1 %9,7 %0,9 %
Rheinland-Pfalz77,7 %34,8 %35,9 %24,1 %11,2 %10,4 %6,8 %7,6 %1,4 %
Baden-Württemberg78,3 %27,2 %34,4 %16,4 %12,2 %12,7 %6,4 %13,5 %0,7 %
Bayern78,1 %37,3 %38,8 %15,3 %12,4 %10,2 %6,1 %9,8 %2,7 %
Saarland76,6 %25,9 %32,4 %27,1 %10,1 %7,6 %12,9 %6,0 %0,8 %
Berlin75,6 %33,4 %22,7 %17,9 %12,0 %8,9 %18,8 %12,6 %0,3 %
Brandenburg73,7 %21,5 %26,7 %17,6 %20,2 %7,1 %17,2 %5,0 %1,2 %
Mecklenburg-Vorpommern70,9 %23,9 %33,1 %15,1 %18,6 %6,2 %17,8 %4,3 %0,8 %
Sachsen75,4 %21,1 %26,9 %10,5 %27,0 %8,2 %16,1 %4,6 %1,1 %
Sachsen-Anhalt68,1 %17,9 %30,3 %15,2 %19,6 %7,8 %17,7 %3,7 %1,2 %
Thüringen74,3 %20,0 %28,8 %13,2 %22,7 %7,8 %16,9 %4,1 %1,6 %

Zweitstimmenanteile; Bayern: CSU. Briefwahl: Anteil der Briefwählenden an allen Wählenden. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.78

Wahlbeteiligung und Briefwahl

Die Wahlbeteiligung stieg von 71,5 Prozent (2013) auf 76,2 Prozent. Am höchsten war sie in Baden-Württemberg (78,3 Prozent) und Bayern (78,1 Prozent), am niedrigsten in Sachsen-Anhalt (68,1 Prozent). 28,6 Prozent der Wählenden stimmten per Brief ab (2013: 24,3 Prozent) – am häufigsten in Bayern (37,3 Prozent) und Hamburg (37,0 Prozent), am seltensten in Sachsen-Anhalt (17,9 Prozent). Vier Jahre später verdoppelte sich der Briefwahlanteil in der Pandemie beinahe. Die Entwicklung seit 1949: Wahlbeteiligung.

Union und SPD im langen Vergleich

Union und SPD erhielten 2017 zusammen 53,4 Prozent der Zweitstimmen – so wenig wie nie zuvor bei einer Bundestagswahl. Ihren Höchstwert hatten die beiden Volksparteien 1976 mit 91,2 Prozent erreicht, 1987 kamen sie noch auf 81,3 Prozent. Erst 2021 fiel ihr gemeinsamer Anteil unter 50 Prozent.

Diagramm

Tabelle

WahlCDU/CSUSPDZusammen
194931,0 %29,2 %60,2 %
195345,2 %28,8 %74,0 %
195750,2 %31,8 %82,0 %
196145,3 %36,2 %81,5 %
196547,6 %39,3 %86,9 %
196946,1 %42,7 %88,8 %
197244,9 %45,8 %90,7 %
197648,6 %42,6 %91,2 %
198044,5 %42,9 %87,4 %
198348,8 %38,2 %87,0 %
198744,3 %37,0 %81,3 %
199043,8 %33,5 %77,3 %
199441,4 %36,4 %77,8 %
199835,1 %40,9 %76,0 %
200238,5 %38,5 %77,0 %
200535,2 %34,2 %69,4 %
200933,8 %23,0 %56,8 %
201341,5 %25,7 %67,2 %
201732,9 %20,5 %53,4 %

Zweitstimmenanteile (1949: Stimmenanteile), bis 1987 früheres Bundesgebiet. Quelle: Die Bundeswahlleiterin.5

Regierungsbildung: Jamaika scheitert, große Koalition kommt

Olaf Scholz, Angela Merkel und Horst Seehofer mit dem unterzeichneten Koalitionsvertrag am 12. März 2018

Olaf Scholz (SPD), Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags am 12. März 2018 in Berlin. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die SPD kündigte noch am Wahlabend an, in die Opposition zu gehen. Rechnerisch blieb damit nur eine Jamaika-Koalition aus CDU, CSU, FDP und Grünen – ein Bündnis, das es auf Bundesebene nie gegeben hatte. Die Sondierungen der vier Parteien begannen im Oktober 2017; kurz vor Mitternacht am 19. November 2017 erklärte FDP-Chef Christian Lindner sie für gescheitert: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte daraufhin Termine ab, führte Gespräche mit den Parteispitzen und erinnerte sie an ihre Verantwortung für die Regierungsbildung.9

Union und SPD nahmen Sondierungen auf und schlossen sie am 12. Januar 2018 ab. Ein SPD-Sonderparteitag in Bonn stimmte am 21. Januar 2018 mit 56,4 Prozent der Delegierten für Koalitionsverhandlungen; am 7. Februar 2018 stand der Koalitionsvertrag. Beim Mitgliedervotum der SPD stimmten 66,02 Prozent zu (Ergebnis vom 4. März 2018); am 12. März 2018 wurde der Vertrag unterzeichnet.

Am 14. März 2018 wählte der Bundestag Angela Merkel mit 364 Ja-Stimmen bei 315 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen zur Bundeskanzlerin; nötig waren 355 Stimmen. Das Kabinett Merkel IV mit Olaf Scholz (SPD) als Vizekanzler und Finanzminister blieb bis zum 8. Dezember 2021 im Amt.10

Folgen

Martin Schulz, der im Wahlkampf einen Eintritt in ein Kabinett Merkel ausgeschlossen hatte, sollte nach den Koalitionsverhandlungen Außenminister werden und den Parteivorsitz an Andrea Nahles abgeben; auf innerparteilichen Druck verzichtete er am 9. Februar 2018 auf das Ministeramt und trat am 13. Februar 2018 als Parteivorsitzender zurück.11

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry erklärte am Tag nach der Wahl, der neuen Fraktion nicht anzugehören, und verließ die Partei.12 Angela Merkel kündigte am 29. Oktober 2018 an, bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr anzutreten.13

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse Deutschland – Bundestagswahl 2017, endgültiges Ergebnis. Prozentwerte in den Diagrammen mit zwei Nachkommastellen aus den Stimmenzahlen berechnet. 2

  2. Wikipedia, Bundestagswahl 2017, abgerufen am 14.09.2026 (Ausgangslage, Kandidaten, Wahlkampf, Frauenanteil). 2

  3. wahlrecht.de, Sonntagsfrage Bundestagswahl, Archive der Institute Allensbach, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap, INSA, Kantar Emnid und YouGov, abgerufen am 14.09.2026. Monatsmittel eigene Berechnung.

  4. wahlrecht.de, Bundestagswahl am 24. September 2017 – Sitzverteilung, 18-Uhr-Prognosen und Hochrechnungen, Stand 12.10.2017. 2

  5. Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Bundestagswahlen (PDF), Tabellen zu Stimmenanteilen seit 1949 sowie zu Wahlkreis- und Listensitzen. 2

  6. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2017: Endgültiges Ergebnis, Pressemitteilung Nr. 34/17, 12.10.2017.

  7. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2017 – Ergebnisse nach Ländern, Länderseiten, endgültiges Ergebnis. 2

  8. Die Bundeswahlleiterin, Anteil der Briefwählenden bei den Bundestagswahlen 1994 bis 2021 nach Ländern (PDF), Stand 26.09.2024.

  9. Wikipedia, Jamaika-Sondierungsgespräche 2017, abgerufen am 14.09.2026.

  10. Wikipedia, Kabinett Merkel IV, abgerufen am 14.09.2026.

  11. Wikipedia, Martin Schulz, abgerufen am 14.09.2026.

  12. Wikipedia, 19. Deutscher Bundestag, abgerufen am 14.09.2026.

  13. Wikipedia, Bundestagswahl 2021, abgerufen am 14.09.2026.

Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.

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