Das BSW vor der Bundestagswahl 2029
Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW)

Fabio De Masi, seit Dezember 2025 Bundesvorsitzender des BSW (Aufnahme von 2024). Foto: Superbass, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verpasste bei der Bundestagswahl 2025 mit 4,981 Prozent der Zweitstimmen knapp den Einzug in den Bundestag; es fehlten 9.529 Stimmen. Die Partei hält das Ergebnis für fehlerhaft und hat die Wahl vor dem Bundesverfassungsgericht angefochten.1 2
Das BSW wurde im Januar 2024 gegründet. Zehn Bundestagsabgeordnete, die zuvor der Linken angehörten, wechselten zur neuen Partei. Noch im selben Jahr zog das BSW ins Europäische Parlament und in drei ostdeutsche Landtage ein. Seit Dezember 2025 führen Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali die Partei; zum 1. Oktober 2026 gibt sie sich einen neuen Namen, das Kürzel BSW bleibt.3
Das BSW in Umfragen
In den Umfragen zur Bundestagswahl 2029 liegt das BSW im Mittel bei 3,1 % (Stand 15.09.2026, Spanne 2 % bis 4 %). Gegenüber der Bundestagswahl 2025 (4,981 %) entspricht das einer Veränderung von −1,9 Prozentpunkten.Nicht alle Institute weisen das BSW gesondert aus; in der jeweils neuesten Umfrage fehlt ein eigener Wert bei Infratest dimap, Allensbach, Forschungsgruppe Wahlen.4
Institute
Entwicklung der Umfragewerte seit der Wahl 2025
Das BSW verlor seit März 2025 0,9 Punkte: von 4,3 % auf 3,4 % im Monatsmittel (Spanne 3,1 % bis 4,3 %). Im Vergleich dazu hat die Linke seit März 2025 am stärksten zugelegt: von 10,2 % auf 10,9 %. Gegenüber dem Vormonat (August 2026) verlor die Linke 0,6 Punkte.
Diagramm
Tabelle
| Monat | BSW | Umfragen |
|---|---|---|
| September 2026 | 3,4 % | 11 |
| August 2026 | 3,2 % | 18 |
| Juli 2026 | 3,5 % | 20 |
| Juni 2026 | 3,1 % | 22 |
| Mai 2026 | 3,2 % | 19 |
| April 2026 | 3,5 % | 17 |
| März 2026 | 3,2 % | 21 |
| Februar 2026 | 3,4 % | 17 |
| Januar 2026 | 3,6 % | 18 |
| Dezember 2025 | 3,7 % | 16 |
| November 2025 | 3,6 % | 20 |
| Oktober 2025 | 3,9 % | 18 |
Monatliche Mittelwerte aller Umfragen, in denen das BSW ausgewiesen wird; der laufende Monat ist noch nicht abgeschlossen. Quelle: wahlrecht.de, eigene Berechnung.
Alle Parteien: Umfragen zur Bundestagswahl 2029.
Wahlergebnisse
Seit seiner Gründung ist das BSW bei acht Wahlen angetreten. Die Ergebnisse reichen von 15,8 Prozent bei der Landtagswahl in Thüringen 2024 bis 1,4 Prozent in Baden-Württemberg 2026.
Diagramm
Tabelle
| Wahl | Datum | Ergebnis |
|---|---|---|
| Europawahl | 09.06.2024 | 6,2 % (2.456.460 Stimmen), 6 von 96 deutschen Sitzen |
| Landtagswahl Sachsen | 01.09.2024 | 11,8 % |
| Landtagswahl Thüringen | 01.09.2024 | 15,8 % |
| Landtagswahl Brandenburg | 22.09.2024 | 13,5 % |
| Bundestagswahl | 23.02.2025 | 4,981 % (2.472.947 Zweitstimmen), keine Sitze |
| Landtagswahl Baden-Württemberg | 08.03.2026 | 1,4 % (vorläufig) |
| Landtagswahl Rheinland-Pfalz | 22.03.2026 | 1,9 % |
| Landtagswahl Sachsen-Anhalt | 06.09.2026 | 5,3 % (vorläufig), 5 von 83 Sitzen |
Quellen: Die Bundeswahlleiterin, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, LTO, Wikipedia.5 6 7 8
Bundestagswahl 2025 und Wahlprüfung
Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 wurden 49.649.512 gültige Zweitstimmen abgegeben. Fünf Prozent davon sind 2.482.476 Stimmen. Das BSW erhielt 2.472.947 Zweitstimmen, also 9.529 zu wenig. Bei den Erststimmen kam es auf 299.401 Stimmen (0,6 %).1 Nach dem vorläufigen Ergebnis aus der Wahlnacht hatte der Anteil bei 4,97 Prozent gelegen. Laut taz sank der Rückstand durch Korrekturen nach der Wahl von über 13.000 auf rund 9.500 Stimmen; das BSW selbst schätzt das Potenzial zusätzlicher Stimmen auf rund 33.000.9
Verfahren im Überblick:
- Eilantrag und Organklagen (2025): Einen Eilantrag unmittelbar nach der Wahl lehnte das Bundesverfassungsgericht ab. Zwei Organklagen des BSW (2 BvE 6/25 und 2 BvE 9/25) verwarf es als unzulässig. Die Partei hatte unter anderem gerügt, dass es keinen Rechtsbehelf für eine sofortige Neuauszählung bei knappem Scheitern an der Sperrklausel gebe.10 11
- Wahleinspruch beim Bundestag: Das BSW und zehn weitere Einspruchsführende verlangten am 22. April 2025 eine Neuauszählung. Der Wahlprüfungsausschuss sah laut seiner Beschlussempfehlung „keinen mandatsrelevanten Verstoß gegen Wahlrechtsvorschriften“. Der Bundestag wies den Einspruch am 18. Dezember 2025 in namentlicher Abstimmung zurück: 427 Abgeordnete stimmten dafür, 129 dagegen, einer enthielt sich.2
- Wahlprüfungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht: Am 9. Februar 2026 stellte die Parteispitze die Beschwerde in Berlin vor; sie musste bis zum 18. Februar 2026 eingereicht werden.12 13 Laut ZDFheute will das Gericht 2026 entscheiden; für eine Neuauszählung müsse das BSW konkrete Zählfehler nachweisen.14
Eine Entscheidung über die Beschwerde des BSW war zum Stand dieser Seite nicht veröffentlicht. Hintergrund zur Sperrklausel: Fünf-Prozent-Hürde.
Regierungsbeteiligungen und ihr Ende
Nach den Landtagswahlen 2024 trat das BSW in Brandenburg und Thüringen in Landesregierungen ein. Beide Beteiligungen sind beendet: Laut der Übersicht der Landesregierungen ist das BSW im September 2026 an keiner Landesregierung mehr beteiligt.15
Brandenburg
- Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) beendete am 6. Januar 2026 die Koalition aus SPD und BSW.16
- Am 16. März 2026 unterzeichneten SPD und CDU einen Koalitionsvertrag. Laut AFP verteilen sich die 88 Sitze im Landtag auf SPD 34, AfD 30, CDU 12, BSW 9 und 3 Fraktionslose. Die früheren BSW-Politiker Crumbach und Gruhn wechselten in die SPD-Fraktion.17
- Das Kabinett aus SPD und CDU ist seit dem 18. März 2026 im Amt; das BSW ist dort in der Opposition.
Thüringen
- Seit Dezember 2024 regierte in Thüringen eine Koalition aus CDU, BSW und SPD unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU).
- Nachdem die TU Chemnitz Voigt im August 2026 den Doktortitel aberkannt hatte, forderte der BSW-Bundesvorstand seinen Rücktritt und das Ende der Koalition. Die BSW-Landtagsfraktion beschloss am 17. August 2026 dennoch, in der Koalition zu bleiben.18
- Anfang September 2026 traten die Landesvorsitzende und Finanzministerin Katja Wolf sowie weitere Fraktionsmitglieder aus dem BSW aus. Am 6. September 2026 gründeten sie in Erfurt die Partei „Thüringen.Gerecht“ mit Wolf als Vorsitzender. Sie wollen die Regierung Voigt weiter stützen. BSW-Chef De Masi sprach laut ZDFheute von „Chuzpe“.19
- Nach dem Stand vom 7. September 2026 gehörten von den zwölf Abgeordneten der bisherigen BSW-Fraktion nur noch zwei der Partei an; eine neue Fraktion unter dem Namen „Thüringen.Gerecht“ sollte entstehen.20
Landtagswahlen 2026
In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz blieb das BSW deutlich unter der Sperrklausel; in Sachsen-Anhalt zog es nach vorläufigem Ergebnis mit 5 von 83 Sitzen in den Landtag ein, wo rechnerisch sowohl AfD und BSW als auch CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW zusammen eine Mehrheit hätten. Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich laut ZDFheute offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD „in Sachfragen“. Sahra Wagenknecht sagte, man wolle parlamentarische Mehrheiten auch mit der AfD nutzen, es gebe aber „eine Reihe von Positionen, die wir nicht teilen“.21
Am 20. September 2026 wird in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern gewählt; dort liegt das BSW laut dem Mittelwert der Umfragen bei 4,0 % beziehungsweise 4,0 % (Stand 16.09.2026).22
Parteiführung
Auf dem 3. Bundesparteitag in Magdeburg wählten die Delegierten am 6. Dezember 2025 eine neue Doppelspitze:23
- Fabio De Masi, Mitglied des Europäischen Parlaments, mit 93,3 Prozent,
- Amira Mohamed Ali, bis dahin bereits Co-Vorsitzende, mit 82,6 Prozent.
Parteigründerin Sahra Wagenknecht zog sich von der Parteispitze zurück. Laut Wikipedia leitet sie die Grundwertekommission der Partei.24

Amira Mohamed Ali, Bundesvorsitzende des BSW (Aufnahme von 2024). Foto: Raimond Spekking, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Sahra Wagenknecht, Gründerin und bis Dezember 2025 Vorsitzende des BSW (Aufnahme von 2025). Foto: Superbass, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Wer das BSW als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2029 führt, ist bislang nicht bekannt. Übersicht: Spitzenkandidaten.
Neuer Name ab 1. Oktober 2026
Der Parteitag vom 6. Dezember 2025 beschloss, den Namen „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ abzulegen. Ab dem 1. Oktober 2026 heißt die Partei „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“; das Kürzel BSW bleibt. Zwei andere Namensvorschläge fanden keine Mehrheit. Den späten Termin begründete die Partei mit den Wahlkämpfen 2026.3
Mitglieder
Nach Angaben Sahra Wagenknechts wuchs die Partei im Jahr 2025 von rund 2.000 auf 11.200 Mitglieder; weitere 6.000 Aufnahmeanträge lägen vor.23 Eine amtliche Zahl aus einem Rechenschaftsbericht liegt für 2025 noch nicht vor.
Programm und Finanzen
- Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025: beschlossen am 12. Januar 2025 auf dem Bundesparteitag in Bonn. Als Schwerpunkte nennt die Partei einen wirtschaftlichen Aufschwung mit starkem Mittelstand, Investitionen in Schulen und Renten, niedrigere Energiepreise sowie die Ablehnung von Ausgaben für Waffen.25 Übersicht: Wahlprogramme.
- Staatliche Parteienfinanzierung: Für 2025 setzte die Bundestagsverwaltung 7.031.689,26 Euro fest. Das BSW hatte 2025 erstmals auch Anspruch auf den Zuschuss für Beiträge und Spenden.26 Mehr dazu: Parteien bei der Bundestagswahl 2029.
Weiterführende Artikel
- ZDFheute: BSW: Parteitag wählt neue Parteispitze und beschließt neuen Namen (06.12.2025)
- Handelsblatt: Wagenknecht-Partei trennt sich vom Namen der Gründerin (06.12.2025)
- Deutscher Bundestag: Bundestag lehnt Neuauszählung der Stimmen zur Bundestagswahl ab (18.12.2025)
- taz: Wahlprüfung ist abgeschlossen: Keine Chance für BSW-Wahleinspruch (Dezember 2025)
- ZDFheute: BSW hofft auf Verfassungsgericht: Beschwerde gegen Bundestagswahl (09.02.2026)
- ZDFheute: SPD und CDU in Brandenburg: Koalition besiegelt (16.03.2026)
- ZDFheute: Thüringer BSW-Fraktion trotzt den Ansagen der Parteispitze (17.08.2026)
- ZDFheute: Frühere BSW-Mitglieder in Thüringen gründen neue Partei (06.09.2026)
- ZDFheute: Nach Sachsen-Anhalt-Wahl: So könnte es jetzt weitergehen (07.09.2026)
Einzelnachweise
-
Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025: Endgültiges Ergebnis. ↩ ↩2
-
Deutscher Bundestag, Bundestag lehnt Neuauszählung der Stimmen zur Bundestagswahl ab, 18.12.2025 (Beschlussempfehlung Drucksache 21/3100). ↩ ↩2
-
Handelsblatt (dpa), Umbenennung: Wagenknecht-Partei trennt sich vom Namen der Gründerin – neue Parteivorstände gewählt, 06.12.2025. ↩ ↩2
-
wahlrecht.de, Sonntagsfrage Bundestagswahl, Stand 15.09.2026. ↩
-
Die Bundeswahlleiterin, Europawahl 2024: Ergebnisse Deutschland. ↩
-
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Vorläufige Ergebnisse der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg. ↩
-
Legal Tribune Online, Sachsen-Anhalt hat seinen Landtag gewählt: Was jetzt?, September 2026. ↩
-
Wikipedia, Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland, abgerufen am 14.09.2026; Wikipedia, Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2026. ↩
-
taz, Wahlprüfung ist abgeschlossen: Keine Chance für BSW-Wahleinspruch, Dezember 2025. ↩
-
Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung Nr. 48/2025, 2025. ↩
-
Deutscher Bundestag, Karlsruhe verwirft zwei Organklagen der Partei BSW, 03.06.2025. ↩
-
ZDFheute, BSW hofft auf Verfassungsgericht: Beschwerde gegen Bundestagswahl, 09.02.2026. ↩
-
ZDFheute, BSW klagt auf Neuauszählung: Wagenknechts letztes Gefecht, 09.02.2026. ↩
-
ZDFheute, Bundesverfassungsgericht: Die wichtigsten Urteile in 2026, 12.03.2026. ↩
-
Wikipedia, Landesregierung (Deutschland), Abschnitt „Aktuelle Landesregierungen“, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
Staatskanzlei Brandenburg, Ministerpräsident Woidke beendet Koalition aus SPD und BSW, 06.01.2026. ↩
-
ZDFheute, SPD und CDU in Brandenburg: Koalition besiegelt, 16.03.2026. ↩
-
ZDFheute, Thüringer BSW-Fraktion trotzt den Ansagen der Parteispitze, 17.08.2026. ↩
-
ZDFheute, Frühere BSW-Mitglieder in Thüringen gründen neue Partei, 06.09.2026. ↩
-
ZDFheute, „Thüringen.Gerecht“: Thüringer Ex-BSW-Fraktion will Neugründung, 07.09.2026. ↩
-
ZDFheute, Sachsen-Anhalt: Schwierige Regierungsbildung nach AfD-Erfolg, 07.09.2026. ↩
-
wahlrecht.de, Umfragen zu Landtagswahlen, Stand 16.09.2026. ↩
-
ZDFheute, BSW: Parteitag wählt neue Parteispitze und beschließt neuen Namen, 06.12.2025 (Mitgliederzahlen nach Angaben Wagenknechts gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung). ↩ ↩2
-
Wikipedia, Bündnis Sahra Wagenknecht, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
BSW, Das BSW-Wahlprogramm, abgerufen am 14.09.2026 (Selbstauskunft). ↩
-
Deutscher Bundestag, Festsetzung der staatlichen Mittel für das Jahr 2025 (PDF), 31.01.2026. ↩
Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.






