Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen
Entwicklung seit 1949, Briefwahl, Länder, Altersgruppen, Nichtwähler und internationaler Vergleich

Stimmabgabe im Wahllokal (Europawahl 2024 in Berlin). Foto: IgorCalzone1, Wikimedia Commons, Lizenz: CC0
Die Wahlbeteiligung gibt an, welcher Anteil der Wahlberechtigten tatsächlich gewählt hat. Bei Bundestagswahlen lag sie stets über 70 Prozent – zwischen dem Tiefstwert von 70,8 % im Jahr 2009 und dem Höchstwert von 91,1 % im Jahr 1972. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 gaben 49.928.653 der 60.510.631 Wahlberechtigten ihre Stimme ab, eine Beteiligung von 82,5 % – der höchste Wert seit 1987 und der höchste im wiedervereinigten Deutschland.1
Als Wählende zählen alle, die einen Stimmzettel abgegeben haben, auch wenn er ungültig war. Eine Mindestwahlbeteiligung, unterhalb derer eine Wahl ungültig wäre, kennt das deutsche Wahlrecht nicht; eine Wahlpflicht gibt es ebenfalls nicht (siehe unten).
Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen
Diagramm
Tabelle
| Jahr | Wahlberechtigte | Wählende | Beteiligung |
|---|---|---|---|
| 2025 | 60.510.631 | 49.928.653 | 82,5 % |
| 2021 | 61.172.771 | 46.707.343 | 76,4 % |
| 2017 | 61.688.485 | 46.976.341 | 76,2 % |
| 2013 | 61.946.900 | 44.309.925 | 71,5 % |
| 2009 | 62.168.489 | 44.005.575 | 70,8 % |
| 2005 | 61.870.711 | 48.044.134 | 77,7 % |
| 2002 | 61.432.868 | 48.582.761 | 79,1 % |
| 1998 | 60.762.751 | 49.947.087 | 82,2 % |
| 1994 | 60.452.009 | 47.737.999 | 79,0 % |
| 1990 | 60.436.560 | 46.995.915 | 77,8 % |
| 1987 | 45.327.982 | 38.225.294 | 84,3 % |
| 1983 | 44.088.935 | 39.279.529 | 89,1 % |
| 1980 | 43.231.741 | 38.292.176 | 88,6 % |
| 1976 | 42.058.015 | 38.165.753 | 90,7 % |
| 1972 | 41.446.302 | 37.761.589 | 91,1 % |
| 1969 | 38.677.235 | 33.523.064 | 86,7 % |
| 1965 | 38.510.395 | 33.416.207 | 86,8 % |
| 1961 | 37.440.715 | 32.849.624 | 87,7 % |
| 1957 | 35.400.923 | 31.072.894 | 87,8 % |
| 1953 | 33.120.940 | 28.479.550 | 86,0 % |
| 1949 | 31.207.620 | 24.495.614 | 78,5 % |
Quelle: Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Bundestagswahlen.2 Bis 1987 nur früheres Bundesgebiet einschließlich West-Berlin. Die Werte für 2021 schließen die Wiederholungswahl in Teilen Berlins vom 11. Februar 2024 ein; für die Hauptwahl vom 26. September 2021 allein hatte die Bundeswahlleiterin 76,6 Prozent angegeben.
Vier Phasen seit 1949
Aufbau (1949–1957): Bei der ersten Bundestagswahl 1949 gingen 78,5 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. Danach stieg die Beteiligung rasch auf über 86 Prozent.
Hochphase (1957–1983): Fast drei Jahrzehnte lang lag die Beteiligung zwischen 86 und 91 Prozent. Den Höchstwert brachte die vorgezogene Wahl 1972 nach dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Willy Brandt: 91,1 Prozent. Auch 1976 (90,7 Prozent) und 1983 (89,1 Prozent) blieben Werte nahe 90 Prozent.
Rückgang (1987–2009): Mit der Wahl 1987 begann ein Rückgang, der sich nach der Wiedervereinigung fortsetzte: 1990, bei der ersten gesamtdeutschen Wahl, sank die Beteiligung auf 77,8 Prozent. Nach einem Zwischenhoch 1998 (82,2 Prozent) fiel sie 2009 auf den bisherigen Tiefstwert von 70,8 Prozent – ein Minus von 6,9 Prozentpunkten gegenüber 2005, der stärkste Rückgang zwischen zwei Bundestagswahlen.
Erholung (seit 2013): Seit 2009 ist die Beteiligung bei jeder Wahl gestiegen: 2013 leicht, 2017 um 4,7 Prozentpunkte, 2021 nochmals leicht und 2025 um 6,1 Prozentpunkte auf 82,5 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit 1953 (Berechnung aus der Tabelle oben).
Für den Rückgang bis 2009 nennt die Forschung mehrere Erklärungen: die Normalisierung einer im internationalen Vergleich ungewöhnlich hohen Beteiligung der Nachkriegszeit, schwindendes Vertrauen in Parteien und Politik („Politikverdrossenheit“) sowie einen Generationeneffekt, weil jüngere Jahrgänge seltener wählen gehen.3 Für den Anstieg seit 2013 macht die Bertelsmann Stiftung vor allem die Mobilisierung bisheriger Nichtwähler in sozial schwächeren Stimmbezirken verantwortlich, 2017 in erster Linie durch die AfD.4
Briefwahl

Briefwahlunterlagen zur Europawahl 2024. Foto: TyPi, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Briefwahl ist bei Bundestagswahlen seit 1957 möglich; seit 2009 muss dafür kein Grund mehr angegeben werden.5 Ihr Anteil an allen Wählenden stieg von 4,9 Prozent (1957) über 28,6 Prozent (2017) auf den Höchstwert von 47,3 Prozent bei der Wahl 2021 während der Corona-Pandemie. 2025 gaben 37,0 Prozent der Wählenden – 18.497.796 Menschen – ihre Stimme per Brief ab, obwohl die vorgezogene Wahl nur kurze Fristen für die Briefwahl ließ. Am höchsten war der Anteil in Bayern (52,2 Prozent), am niedrigsten in Thüringen (25,6 Prozent).1
Laut repräsentativer Wahlstatistik beantragten 2025 insgesamt 32,3 Prozent aller Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen – Frauen (34,2 Prozent) häufiger als Männer (30,3 Prozent), Wahlberechtigte ab 70 Jahren (36,2 Prozent) am häufigsten, 18- bis 20-Jährige (23,0 Prozent) am seltensten.6 Wie die Briefwahl beantragt wird, steht auf der Seite Praktische Informationen.
Diagramm
Tabelle
| Jahr | Briefwahlanteil | Veränderung |
|---|---|---|
| 2025 | 37,0 % | −10,3 |
| 2021 | 47,3 % | +18,7 |
| 2017 | 28,6 % | +4,3 |
| 2013 | 24,3 % | +2,9 |
| 2009 | 21,4 % | +2,7 |
| 2005 | 18,7 % | +0,7 |
| 2002 | 18,0 % | +2,0 |
| 1998 | 16,0 % | +2,6 |
| 1994 | 13,4 % | +4,0 |
| 1990 | 9,4 % | −1,7 |
| 1987 | 11,1 % | +0,6 |
| 1983 | 10,5 % | −2,5 |
| 1980 | 13,0 % | +2,3 |
| 1976 | 10,7 % | +3,5 |
| 1972 | 7,2 % | +0,1 |
| 1969 | 7,1 % | −0,2 |
| 1965 | 7,3 % | +1,5 |
| 1961 | 5,8 % | +0,9 |
| 1957 | 4,9 % | – |
Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler an allen Wählenden; Veränderung gegenüber der vorherigen Wahl in Prozentpunkten. Quelle: Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Bundestagswahlen (siehe oben). Nur 1969, 1983, 1990 und 2025 ging der Briefwahlanteil gegenüber der vorherigen Wahl zurück.
Wahlbeteiligung nach Bundesländern 2025
Zwischen den Ländern lagen 2025 gut sechs Prozentpunkte: Am höchsten war die Beteiligung in Bayern (84,3 %), gefolgt von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg; am niedrigsten war sie in Sachsen-Anhalt (77,7 %) und Bremen (77,8 %). Unter den 299 Wahlkreisen führte Köln II mit 88,0 Prozent vor Münster, München-Land und Coesfeld – Steinfurt II (je rund 87,5 Prozent); die niedrigsten Werte hatten Duisburg II (73,4 Prozent), Bremen II – Bremerhaven (73,9 Prozent), Gelsenkirchen (74,5 Prozent) und Essen II (75,0 Prozent).7
Diagramm
Tabelle
| Land | Wahlberechtigte | Wählende | Beteiligung |
|---|---|---|---|
| Bayern | 9.481.659 | 7.996.557 | 84,3 % |
| Schleswig-Holstein | 2.262.811 | 1.889.968 | 83,5 % |
| Niedersachsen | 6.043.412 | 5.041.312 | 83,4 % |
| Baden-Württemberg | 7.653.811 | 6.382.446 | 83,4 % |
| Hessen | 4.341.919 | 3.608.634 | 83,1 % |
| Rheinland-Pfalz | 3.014.482 | 2.500.548 | 83,0 % |
| Saarland | 734.204 | 605.293 | 82,4 % |
| Nordrhein-Westfalen | 12.884.209 | 10.587.740 | 82,2 % |
| Brandenburg | 2.033.539 | 1.658.681 | 81,6 % |
| Sachsen | 3.186.780 | 2.584.777 | 81,1 % |
| Hamburg | 1.299.289 | 1.050.805 | 80,9 % |
| Thüringen | 1.652.462 | 1.333.474 | 80,7 % |
| Berlin | 2.442.042 | 1.961.177 | 80,3 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1.294.729 | 1.029.038 | 79,5 % |
| Bremen | 450.564 | 350.366 | 77,8 % |
| Sachsen-Anhalt | 1.734.719 | 1.347.837 | 77,7 % |
| Deutschland | 60.510.631 | 49.928.653 | 82,5 % |
Quelle: Die Bundeswahlleiterin, endgültiges Ergebnis der Bundestagswahl 2025 (Open Data, siehe oben).
Nach Alter und Geschlecht
Wer wählt und wer nicht, erfasst die repräsentative Wahlstatistik: In ausgewählten Wahlbezirken werden Stimmzettel mit Kennzeichnung nach Geschlecht und Geburtsjahresgruppe ausgezählt. Für 2025 werteten die Statistischen Ämter 1.790 Urnen- und 899 Briefwahlbezirke mit rund 1,9 Millionen Wahlberechtigten aus.
Die Beteiligung stieg 2025 in allen Altersgruppen, bei den unter 45-Jährigen mit 7,1 bis 8,3 Prozentpunkten am stärksten. Am seltensten wählten die 21- bis 24-Jährigen (78,3 Prozent) und die ab 70-Jährigen (79,3 Prozent), am häufigsten die 50- bis 69-Jährigen (85,5 Prozent). Der Abstand zwischen der Gruppe mit der höchsten und der mit der niedrigsten Beteiligung war mit 7,2 Prozentpunkten so klein wie noch nie; 1990 hatte er 24,7 Prozentpunkte betragen.5 Frauen beteiligten sich in allen Altersgruppen bis 69 Jahre häufiger als gleichaltrige Männer; nur ab 70 Jahren lag die Beteiligung der Männer (82,6 Prozent) deutlich über der der Frauen (76,8 Prozent).8
Altersgruppen 2025
Entwicklung seit 2005
Tabelle
| Alter | Insgesamt | Frauen | Männer | 2021 |
|---|---|---|---|---|
| 18–20 Jahre | 78,8 % | 80,6 % | 77,2 % | 70,5 % |
| 21–24 Jahre | 78,3 % | 80,2 % | 76,5 % | 71,2 % |
| 25–29 Jahre | 80,5 % | 82,3 % | 78,8 % | 72,4 % |
| 30–34 Jahre | 81,8 % | 83,2 % | 80,4 % | 73,4 % |
| 35–39 Jahre | 82,8 % | 83,5 % | 82,1 % | 74,8 % |
| 40–44 Jahre | 83,1 % | 83,8 % | 82,4 % | 75,7 % |
| 45–49 Jahre | 84,0 % | 84,6 % | 83,4 % | 78,1 % |
| 50–59 Jahre | 85,5 % | 85,9 % | 85,0 % | 80,2 % |
| 60–69 Jahre | 85,5 % | 85,5 % | 85,4 % | 80,1 % |
| 70 Jahre und mehr | 79,3 % | 76,8 % | 82,6 % | 75,3 % |
| Insgesamt | 82,5 % | 82,3 % | 82,7 % | 76,6 % |
Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2025 nach Altersgruppen und Geschlecht; zum Vergleich die Beteiligung der Altersgruppe 2021 (Hauptwahl). Quelle: Die Bundeswahlleiterin, Heft 4 (siehe oben).
Die Altersstruktur verschiebt sich zugunsten der Älteren: 2025 stellten die ab 60-Jährigen 42,6 Prozent aller Wahlberechtigten, die 30- bis 59-Jährigen 44,4 Prozent; 2017 hatten die Anteile noch bei 36,3 und 48,9 Prozent gelegen. Zusammen mit ihrer überdurchschnittlichen Beteiligung wächst damit der Einfluss der Generation 60plus auf das Wahlergebnis.6
Internationaler Vergleich
Im Vergleich der westlichen Demokratien liegt Deutschland mit 82,5 Prozent in der Spitzengruppe – hinter Belgien, wo Wahlpflicht besteht, und den skandinavischen Ländern. Deutlich niedriger ist die Beteiligung in Frankreich, Großbritannien und den USA; in der Schweiz mit ihren häufigen Volksabstimmungen geht nicht einmal jeder zweite Stimmberechtigte zur Parlamentswahl.9
Die Zahlen sind nur begrenzt vergleichbar: In Ländern wie den USA müssen sich Wahlberechtigte zuerst registrieren, weshalb die Beteiligung dort meist auf die wahlberechtigte Bevölkerung statt auf die Eingetragenen bezogen wird. Schweden hat am 13. September 2026 neu gewählt; da das amtliche Endergebnis noch aussteht, ist hier der Wert von 2022 angegeben.
Nichtwähler: die größte „Partei“?
Hätten alle Nichtwähler eine eigene Partei gewählt, wäre diese bei manchen Wahlen die stärkste gewesen – so 2009, als 18.162.914 Wahlberechtigte (29,2 Prozent) nicht wählten, während CDU und CSU zusammen 14.658.515 Zweitstimmen (23,6 Prozent aller Wahlberechtigten) erhielten.2 2025 blieben 10.581.978 Wahlberechtigte (17,5 %) der Wahl fern. Das waren weniger als die Union an Zweitstimmen bekam (23,4 % aller Wahlberechtigten), aber mehr als die AfD (17,1 %): Die Nichtwähler wären 2025 die zweitgrößte „Partei“ gewesen (eigene Berechnung aus dem amtlichen Ergebnis).
Das folgende Diagramm bezieht die Zweitstimmenanteile der Parteien auf alle Wahlberechtigten statt nur auf die gültigen Stimmen:
Gründe für Nichtwahl und Wahlpflicht
Nichtwähler sind schwer zu erforschen: In Umfragen geben regelmäßig rund 95 Prozent der Befragten an, gewählt zu haben – weit mehr als die tatsächliche Beteiligung. Nichtwähler nehmen seltener an Umfragen teil, und manche geben aus sozialer Erwünschtheit eine Teilnahme an.10
Die Konrad-Adenauer-Stiftung ließ nach der Bundestagswahl 2021 von Infratest dimap 4.000 Personen befragen. Das mit Abstand wichtigste Motiv der Nichtwähler war die Annahme, Parteien und Politiker machten ohnehin, was sie wollten (65 Prozent). Es folgten das Fehlen eines Politikers, dem man seine Stimme geben wollte (56 Prozent), und einer Partei, die sich für die eigenen Anliegen einsetzt (47 Prozent). Rund vier von zehn wollten ihre bisherige Partei nicht mehr wählen, fanden aber keine andere; 39 Prozent waren durch Krankheit oder Urlaub verhindert. Jeweils etwa ein Drittel gab an, grundsätzlich nicht zu wählen oder sich gar nicht für Politik zu interessieren. Eine Ablehnung des Staates als Ganzes nannte ein Viertel, einen „Denkzettel“ für die eigene Partei 17 Prozent, Zufriedenheit nur 14 Prozent. Die Mehrheit der Nichtwähler von 2021 beteiligt sich also durchaus an anderen Wahlen.10
Soziale Spaltung
Nichtwähler kommen überdurchschnittlich oft aus sozial schwachen Milieus. Für die Bundestagswahl 2013 ermittelte die Bertelsmann Stiftung eine Beteiligung von 88 Prozent im liberal-intellektuellen Milieu, aber nur 47,7 Prozent bei den „Hedonisten“ und 58,9 Prozent im prekären Milieu; 38 Prozent der Nichtwähler stammten aus sozial schwachen Milieus, die nur 22 Prozent der Wahlberechtigten stellen.11 2017 verringerte sich die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung – gemessen als Abstand zwischen den Stimmbezirken mit hoher und niedriger Beteiligung – erstmals seit zwei Jahrzehnten, von 29,5 auf 26,7 Prozentpunkte.4
Für junge Menschen beschreibt eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts d|part von 2026 vier Hürden auf dem Weg zur Wahlurne: Zugang („Kann ich wählen?“), Kompetenz („Verstehe ich Wählen?“), Motivation („Will ich wählen?“) und Resonanz („Wirkt mein Wählen?“). Für viele junge Menschen sei die zentrale Frage vor der Wahl nicht, welche Partei sie wählen, sondern wie Wählen überhaupt funktioniert.12
Wahlpflicht
In Deutschland besteht keine Pflicht zur Wahlteilnahme – weder bei Bundestags- noch bei Landtagswahlen. Einzig die Landesverfassung Baden-Württembergs nennt die Ausübung des Wahlrechts eine „Bürgerpflicht“ (Artikel 26 Absatz 3), ohne dass daraus Sanktionen folgen. In Europa gilt eine Wahlpflicht in Belgien, Luxemburg, Griechenland und Liechtenstein sowie im Schweizer Kanton Schaffhausen; Bulgarien führte sie 2016 ein, kann sie aber nach einem Urteil des Verfassungsgerichts nicht mit Bußgeldern durchsetzen. Abgeschafft wurde die Wahlpflicht unter anderem in den Niederlanden (1967), Österreich (1992) und Italien (1993). Australien kennt sie seit 1924 und erreicht regelmäßig Beteiligungen über 90 Prozent. Ob das Grundgesetz eine Wahlpflicht zuließe, ist umstritten.13
Landtags- und Europawahlen
Bei Landtags- und Europawahlen wählen deutlich weniger Menschen als bei Bundestagswahlen. Die Beteiligung an Europawahlen sank von 65,7 Prozent (1979) auf 43,0 Prozent (2004) und stieg seit 2014 wieder deutlich, zuletzt auf 64,7 Prozent bei der Europawahl 2024.14 Bei Landtagswahlen reicht die Spanne der jeweils letzten Wahl von 55,5 Prozent in Nordrhein-Westfalen (2022) bis 77,8 Prozent in Sachsen-Anhalt (2026).15
Europawahlen
Landtagswahlen
Bei den drei Landtagswahlen des Jahres 2026 lag die Beteiligung jeweils höher als bei der vorherigen Wahl: in Baden-Württemberg (8. März) bei 69,6 Prozent nach 63,8 Prozent 2021, in Rheinland-Pfalz (22. März) bei 68,4 Prozent nach 64,3 Prozent und in Sachsen-Anhalt (6. September, vorläufiges Ergebnis) bei 77,8 Prozent nach 60,3 Prozent.16 Am 20. September 2026 wählen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern; alle Termine stehen im Wahlkalender.
Umfragen und Wahlbeteiligung
Einige Umfrageinstitute weisen neben der Sonntagsfrage den Anteil der Befragten aus, die nicht wählen wollen oder unentschlossen sind. Wie sich dieser Anteil auf die Parteiwerte auswirkt, zeigt die Seite Umfragen. Eine Vorhersage der Wahlbeteiligung ist das nicht, da sich viele Unentschlossene erst kurz vor der Wahl entscheiden.
Weiterführende Artikel
- Die Bundeswahlleiterin: Bundestagswahl 2025: Endgültiges Ergebnis (14.03.2025)
- Die Bundeswahlleiterin: Heft 4: Wahlbeteiligung und Stimmabgabe nach Geschlecht und Altersgruppen (PDF) (2025)
- Statistisches Bundesamt: Bundestagswahl 2025: Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik (Juni 2025)
- bpb: Wahlbeteiligung und Briefwahl (15.07.2025)
- Konrad-Adenauer-Stiftung: Wählen oder nicht wählen? Nichtwahlmotive bei der Bundestagswahl 2021 (April 2022)
- Bertelsmann Stiftung: Warum junge Menschen seltener wählen – und was dagegen hilft (24.02.2026)
- ZDFheute: Bundestagswahl: Höchste Wahlbeteiligung seit 38 Jahren (Februar 2025)
- Die Bundeswahlleiterin: Ergebnisse früherer Bundestagswahlen (PDF)
Einzelnachweise
-
Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025: Endgültiges Ergebnis, Pressemitteilung Nr. 29/25, 14.03.2025. ↩ ↩2
-
Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Bundestagswahlen (PDF), Tabellen 6 und 8 sowie Ergebnis 2009. ↩ ↩2
-
Wikipedia, Wahlbeteiligung, Abschnitt „Deutschland“, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
Bertelsmann Stiftung, Bundestagswahl 2017: Wahlergebnis zeigt neue Konfliktlinie der Demokratie, Pressemitteilung zur Studie „Populäre Wahlen“ (Robert Vehrkamp, Klaudia Wegschaider), 06.10.2017. ↩ ↩2
-
Bundeszentrale für politische Bildung, Wahlbeteiligung und Briefwahl, 15.07.2025. ↩ ↩2
-
Statistisches Bundesamt, Bundestagswahl 2025: Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik, Pressemitteilung Nr. 223, Juni 2025. ↩ ↩2
-
Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025: Ergebnisse und Open-Data-Datei kerg2.csv, endgültiges Ergebnis, Stand 14.03.2025; Prozentwerte daraus berechnet. ↩
-
Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025, Heft 4: Wahlbeteiligung und Stimmabgabe nach Geschlecht und Altersgruppen (PDF), Übersicht 5. ↩
-
Wikipedia (englisch), Artikel zu den jeweiligen Wahlen, u. a. 2024 Belgian federal election, 2026 Danish general election, 2024 French legislative election, 2024 United Kingdom general election, 2024 United States presidential election, 2023 Swiss federal election, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
Sabine Pokorny, Wählen oder nicht wählen? Nichtwahlmotive bei der Bundestagswahl 2021, Konrad-Adenauer-Stiftung, Analysen & Argumente Nr. 476, April 2022. ↩ ↩2
-
Bertelsmann Stiftung, Der typische Nichtwähler kommt aus sozial schwachem Milieu, Pressemitteilung, 07.09.2015. ↩
-
Bertelsmann Stiftung, Warum junge Menschen seltener wählen – und was dagegen hilft, Studie „Hürdenlauf zur Wahlurne“ mit d|part, 24.02.2026. ↩
-
Wikipedia, Wahlpflicht, abgerufen am 14.09.2026. ↩
-
Die Bundeswahlleiterin, Europawahl 2024: Ergebnisse und Datei „Wahlberechtigte, Wählende, Stimmabgabe und Sitzverteilung bei den Europawahlen seit 1979“ (CSV). ↩
-
Wikipedia, Wahlbeteiligung, Abschnitt „Landtagswahlen“ (Stand 6. September 2026); Bayern, Bremen und Schleswig-Holstein nach wahlrecht.de, Hamburg nach Wikipedia. ↩
-
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Landtagswahl 2026 – Endgültiges Ergebnis; Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, Bekanntmachung über das endgültige Ergebnis der Wahl zum 19. Landtag, 02.04.2026; Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Landtagswahl 2026 – vorläufige Ergebnisse, Stand 08.09.2026; Werte 2021 nach wahlrecht.de. ↩
Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.






