Bundespräsidentenwahl 2027

Wahl des Bundespräsidenten durch die 18. Bundesversammlung am 30. Januar 2027

Schloss Bellevue in Berlin, Amtssitz des Bundespräsidenten

Schloss Bellevue in Berlin-Tiergarten, Amtssitz des Bundespräsidenten (September 2020). Foto: Michael F. H. Barth, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Am Samstag, dem 30. Januar 2027, tritt die 18. Bundesversammlung im Reichstagsgebäude in Berlin zusammen und wählt das nächste deutsche Staatsoberhaupt. Die zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier endet mit Ablauf des 18. März 2027; eine dritte Amtszeit in Folge lässt das Grundgesetz nicht zu.12

Offizielle Nominierungen liegen bis zum 14. September 2026 nicht vor. Union und SPD wollen nach den Landtagswahlen im Herbst 2026 über einen gemeinsamen Vorschlag beraten. Diese Seite erklärt den Termin, das Wahlverfahren, die Zusammensetzung der Bundesversammlung und den Stand der Kandidatendebatte und listet alle bisherigen Bundespräsidenten auf.

Termin: 30. Januar 2027

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat am 26. Februar 2026 den 30. Januar 2027 als Termin der 18. Bundesversammlung festgelegt und den Ältestenrat darüber informiert. Zuständig für Ort und Zeit ist nach Artikel 54 Absatz 4 des Grundgesetzes und § 1 des Bundespräsidentenwahlgesetzes die Präsidentin des Bundestages.

Die Bundesversammlung muss spätestens 30 Tage vor Ablauf der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Da Steinmeiers Amtszeit mit Ablauf des 18. März 2027 endet, wäre der 16. Februar 2027 der späteste zulässige Termin gewesen. Der gewählte Termin schließt sich an die Sitzungswoche an, in der der Bundestag am 27. Januar 2027 die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus begeht; die dafür erweiterte Bestuhlung des Plenarsaals kann so für beide Veranstaltungen genutzt werden.1

Die Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier (SPD) wurde am 12. Februar 2017 von der 16. Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit 931 von 1.253 abgegebenen Stimmen gewählt. Er trat die Nachfolge von Joachim Gauck an, dessen Amtszeit am 18. März 2017 endete.3 Am 13. Februar 2022 wählte ihn die 17. Bundesversammlung – wegen der Pandemie in der Halle des Paul-Löbe-Hauses – im ersten Wahlgang mit 1.045 von 1.472 Stimmen für eine zweite Amtszeit.4

Nach Artikel 54 Absatz 2 des Grundgesetzes dauert das Amt fünf Jahre; eine anschließende Wiederwahl ist nur einmal zulässig. Steinmeier kann 2027 deshalb nicht erneut kandidieren. Er ist nach Theodor Heuss, Heinrich Lübke, Richard von Weizsäcker und Horst Köhler der fünfte Bundespräsident, der für eine zweite Amtszeit gewählt wurde (Köhler trat 2010 vorzeitig zurück).

Das Wahlverfahren nach Artikel 54 des Grundgesetzes

Der Bundespräsident wird nicht vom Volk gewählt, sondern von der Bundesversammlung, die nur zu diesem Zweck zusammentritt. Die Grundregeln stehen in Artikel 54 des Grundgesetzes:2

  • Wählbar ist jeder Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestag besitzt und das 40. Lebensjahr vollendet hat.
  • Wahlvorschläge kann jedes Mitglied der Bundesversammlung schriftlich bei der Bundestagspräsidentin einreichen; die schriftliche Zustimmung der vorgeschlagenen Person ist beizufügen. Für den zweiten und dritten Wahlgang können neue Vorschläge eingebracht werden.5
  • Die Wahl findet ohne Aussprache und geheim mit verdeckten amtlichen Stimmzetteln statt.
  • Mehrheit: In den ersten beiden Wahlgängen ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung erhält (absolute Mehrheit, bei 1.260 Mitgliedern also mindestens 631 Stimmen). Erreicht das niemand, genügt in einem dritten Wahlgang die relative Mehrheit: Gewählt ist, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt.
  • Die gewählte Person muss binnen zwei Tagen erklären, ob sie die Wahl annimmt. Das Amt tritt sie an, sobald die Amtszeit des Vorgängers abgelaufen ist – 2027 also am 19. März. Beim Amtsantritt leistet sie in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat den Amtseid nach Artikel 56 des Grundgesetzes.6

Bisher wurde in drei von 17 Bundesversammlungen ein dritter Wahlgang nötig: 1969 (Gustav Heinemann), 1994 (Roman Herzog) und 2010 (Christian Wulff). Heinemann ist der einzige Bundespräsident, der nur mit relativer Mehrheit gewählt wurde.7

Zusammensetzung der Bundesversammlung

Die Bundesversammlung besteht aus allen Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Landesparlamenten nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden. Da der Bundestag seit der Wahlrechtsreform 630 Sitze hat, umfasst die 18. Bundesversammlung 1.260 Mitglieder: 630 Bundestagsabgeordnete und 630 Delegierte der 16 Landtage.8

Wie viele Mitglieder die einzelnen Landtage wählen dürfen, stellt die Bundesregierung anhand der Bevölkerungszahlen der Länder fest und macht es im Bundesgesetzblatt bekannt; Ausländer bleiben bei der Berechnung unberücksichtigt.9 Die Delegierten müssen keine Landtagsabgeordneten sein – die Landtage entsenden regelmäßig auch Kommunalpolitiker und Persönlichkeiten aus Kultur, Sport oder Wissenschaft.

Bundestagsanteil: Nach dem endgültigen Ergebnis der Bundestagswahl 2025 entfallen von den 630 Bundestagssitzen 208 auf CDU/CSU (CDU 164, CSU 44), 152 auf die AfD, 120 auf die SPD, 85 auf Bündnis 90/Die Grünen, 64 auf Die Linke und einer auf den SSW.10 Einzelne Abgeordnete haben seither ihre Fraktion verlassen; das ändert an der Gesamtzahl von 630 nichts.

Länderanteil: Die Stärke der Parteien unter den 630 Länderdelegierten richtet sich nach der Zusammensetzung der Landtage zum Zeitpunkt ihrer Wahl. Sie wird deshalb auch von den Landtagswahlen des Jahres 2026 beeinflusst – Baden-Württemberg (8. März), Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September) sowie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (20. September).11 Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, die Gespräche über einen Kandidaten erst zu führen, „wenn wir endgültig wissen, wie die Bundesversammlung zusammengesetzt sein wird“.12 Eine belastbare Aufstellung der Sitzanteile aller Parteien in der Bundesversammlung liegt noch nicht vor (Stand: 14. September 2026).

Kandidaten: Stand der Debatte

Offizielle Nominierungen gibt es noch nicht. Der aussichtsreichste Vorschlag kommt in der Regel von den Regierungsfraktionen, häufig gemeinsam mit Teilen der Opposition. Nach Angaben des Kanzlers will die Union nach den Landtagswahlen, im Oktober oder November 2026, zunächst mit der CSU und dann mit der SPD sprechen, möglicherweise auch mit weiteren Fraktionen der Bundesversammlung. Öffentlich wurden bisher vor allem folgende Namen genannt:

  • Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags: CSU-Chef Markus Söder sprach sich im April 2026 für sie aus.13 Merz nannte sie im Juli 2026 eine „respektable, denkbare Bundespräsidentin“, betonte aber, dass es noch keine Entscheidung gebe. Aigner selbst erklärte, die Frage stelle sich derzeit nicht.12 Auch aus der SPD kamen Unterstützungssignale.14
  • Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident von Hessen: Laut FAZ gilt er im Umfeld des Kanzlers angeblich als Favorit.15
  • Udo Di Fabio, ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts: Laut Handelsblatt kursiert sein Name Medienberichten zufolge in CDU-Kreisen.16
  • Gabriele Krone-Schmalz, frühere ARD-Korrespondentin: Das Bündnis Sahra Wagenknecht kündigte Anfang September 2026 an, sich für sie starkzumachen, sofern das BSW über einen Landtag Sitze in der Bundesversammlung erhält.17
  • Hape Kerkeling: Eine Online-Petition der Kampagnenorganisation Campact schlug den Entertainer im Frühjahr 2026 als überparteilichen Kandidaten vor; die Vorsitzende der Linksfraktion, Heidi Reichinnek, nannte ihn einen „geeigneten Vorschlag“.18

SPD und Grüne bestehen darauf, dass nach zwölf Männern erstmals eine Frau in das Amt gewählt wird; Unionsfraktionschef Thorsten Frei warnte dagegen vor frühen Festlegungen und will „offen rangehen“.1920 AfD-Chefin Alice Weidel deutete im März 2026 an, dass die AfD einen eigenen Kandidaten aufstellen könnte.21

Alle diese Namen sind Vorschläge und Spekulationen aus der politischen Debatte. Verbindlich werden Kandidaturen erst mit den schriftlichen Wahlvorschlägen an die Bundestagspräsidentin vor oder während der Bundesversammlung.5

Alle Bundespräsidenten seit 1949

Zwölf Männer haben das Amt bisher ausgeübt; eine Frau wurde noch nie gewählt. Die Tabelle nennt die Wahljahre und den Wahlgang, in dem die Wahl jeweils entschieden wurde.

Nr. Bundespräsident Partei Amtszeit Gewählt (Bundesversammlung, Wahlgang)
1 Theodor Heuss FDP 1949–1959 1949 (1., 2. Wahlgang); 1954 (2., 1. Wahlgang)
2 Heinrich Lübke CDU 1959–1969 1959 (3., 2. Wahlgang); 1964 (4., 1. Wahlgang)
3 Gustav Heinemann SPD 1969–1974 1969 (5., 3. Wahlgang)
4 Walter Scheel FDP 1974–1979 1974 (6., 1. Wahlgang)
5 Karl Carstens CDU 1979–1984 1979 (7., 1. Wahlgang)
6 Richard von Weizsäcker CDU 1984–1994 1984 (8., 1. Wahlgang); 1989 (9., 1. Wahlgang)
7 Roman Herzog CDU 1994–1999 1994 (10., 3. Wahlgang)
8 Johannes Rau SPD 1999–2004 1999 (11., 2. Wahlgang)
9 Horst Köhler CDU 2004–2010 2004 (12., 1. Wahlgang); 2009 (13., 1. Wahlgang); Rücktritt 2010
10 Christian Wulff CDU 2010–2012 2010 (14., 3. Wahlgang); Rücktritt 2012
11 Joachim Gauck parteilos 2012–2017 2012 (15., 1. Wahlgang)
12 Frank-Walter Steinmeier SPD seit 2017 2017 (16., 1. Wahlgang); 2022 (17., 1. Wahlgang)

Quellen: Deutscher Bundestag, Dokumentation der Bundesversammlungen seit 1949; Wikipedia.67

Die Bundesversammlungen 1949 und 1974 bis 1989 tagten in Bonn, 1954 bis 1969 in der Berliner Ostpreußenhalle; seit 1994 findet die Wahl in Berlin statt, seit 1999 im Reichstagsgebäude (2022 ausnahmsweise im Paul-Löbe-Haus). Von 1979 bis 2009 war der 23. Mai, der Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes, der feste Wahltag; die Rücktritte von Horst Köhler (2010) und Christian Wulff (2012) verschoben den Rhythmus in den Winter.

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. Deutscher Bundestag, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beruft die 18. Bundesversammlung zum 30. Januar 2027 ein, 26.02.2026. 2

  2. Grundgesetz, Artikel 54 (gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz). 2

  3. Deutscher Bundestag, Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten gewählt, 12.02.2017.

  4. Deutscher Bundestag, Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident wiedergewählt, 13.02.2022.

  5. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 9. 2

  6. Deutscher Bundestag, Die Bundesversammlungen seit 1949 – Dokumentation. 2

  7. Wikipedia, Bundesversammlung (Deutschland), Tabelle der Bundesversammlungen, abgerufen am 14.09.2026. 2

  8. Deutscher Bundestag, Bundesversammlung und Wahl des Bundespräsidenten, Stand 26.02.2026, abgerufen am 14.09.2026.

  9. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 2.

  10. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025 – Ergebnisse Deutschland, endgültiges Ergebnis.

  11. Deutscher Bundestag, Wahltermine in Deutschland.

  12. Tagesspiegel, Eine „respektable, denkbare Bundespräsidentin“: Merz offen für Ilse Aigner als Steinmeier-Nachfolgerin, 27.07.2026. 2

  13. FAZ, Markus Söder ist für Ilse Aigner als Bundespräsidentin, 24.04.2026.

  14. ZDFheute, Bundespräsidentenwahl: Wie Ilse Aigner sich warmläuft, 02.08.2026.

  15. FAZ, Boris Rhein als Favorit für das Bundespräsidentenamt?, 04.08.2026.

  16. Handelsblatt, Udo Di Fabio als Bundespräsident? – Wer noch im Rennen ist, 24.08.2026.

  17. WELT, BSW will frühere ARD-Korrespondentin Krone-Schmalz als Bundespräsidentin, 03.09.2026.

  18. MDR Aktuell, Petition will Kerkeling als Bundespräsident – Reichinnek hält Vorschlag für geeignet, 15.06.2026.

  19. DIE ZEIT, Bundespräsidentenwahl 2027: SPD und Grüne bestehen auf Frau als nächstes Staatsoberhaupt, 05.08.2026.

  20. Deutschlandfunk, SPD besteht bei Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier auf Nominierung einer Frau, 22.08.2026.

  21. Tagesspiegel, Bundespräsidentenwahl 2027: Weidel deutet Aufstellung von eigenem AfD-Kandidaten an, 15.03.2026.

Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026.

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