Bundespräsidentenwahl 2027

Wahl des Bundespräsidenten durch die 18. Bundesversammlung am 30. Januar 2027

Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026

Schloss Bellevue in Berlin, Amtssitz des Bundespräsidenten

Schloss Bellevue in Berlin-Tiergarten, Amtssitz des Bundespräsidenten (September 2020). Foto: Michael F. H. Barth, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0, bearbeitet

Am Samstag, dem 30. Januar 2027, tritt die 18. Bundesversammlung im Reichstagsgebäude in Berlin zusammen und wählt das nächste deutsche Staatsoberhaupt. Die zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier endet mit Ablauf des 18. März 2027; eine dritte Amtszeit in Folge lässt das Grundgesetz nicht zu.12

Offizielle Nominierungen liegen bis zum 1. Oktober 2026 nicht vor. Union und SPD wollen nach den Landtagswahlen vom September 2026 über einen gemeinsamen Vorschlag beraten. Diese Seite erklärt den Termin, das Wahlverfahren und den Ablauf am Wahltag, zeigt die Ergebnisse und die Zusammensetzung der letzten Bundesversammlungen, erinnert an die knappen Wahlen von 1969, 1994 und 2010, beschreibt den Stand der Kandidatendebatte und listet alle bisherigen Bundespräsidenten auf.

Termin: 30. Januar 2027

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat am 26. Februar 2026 den 30. Januar 2027 als Termin der 18. Bundesversammlung festgelegt und den Ältestenrat darüber informiert. Zuständig für Ort und Zeit ist nach Artikel 54 Absatz 4 des Grundgesetzes und § 1 des Bundespräsidentenwahlgesetzes die Präsidentin des Bundestages; die Anordnung wurde im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.13

Die Bundesversammlung muss spätestens 30 Tage vor Ablauf der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Da Steinmeiers Amtszeit mit Ablauf des 18. März 2027 endet, wäre der 16. Februar 2027 der späteste zulässige Termin gewesen. Der gewählte Termin schließt sich an die Sitzungswoche an, in der der Bundestag am 27. Januar 2027 die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus begeht; die dafür erweiterte Bestuhlung des Plenarsaals kann so für beide Veranstaltungen genutzt werden.1

Die Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier (SPD) wurde am 12. Februar 2017 von der 16. Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit 931 von 1.253 abgegebenen Stimmen gewählt. Er trat die Nachfolge von Joachim Gauck an, dessen Amtszeit am 18. März 2017 endete.4 Am 13. Februar 2022 wählte ihn die 17. Bundesversammlung – wegen der Pandemie in der Halle des Paul-Löbe-Hauses – im ersten Wahlgang mit 1.045 von 1.437 abgegebenen Stimmen für eine zweite Amtszeit.5

Beide Wahlen waren deutlich: 2017 hatten die Regierungsparteien SPD, CDU und CSU Steinmeier als gemeinsamen Kandidaten nominiert, auch FDP und Grüne unterstützten ihn; 2022 trugen ihn SPD, Grüne, FDP und Union erneut gemeinsam.6 Die Gegenkandidaten der Linken, der AfD und der Freien Wähler blieben jeweils weit unter 150 Stimmen; 2022 erhielt der von der AfD nominierte CDU-Ökonom Max Otte 140 Stimmen, der Sozialmediziner Gerhard Trabert 96 und die Physikerin Stefanie Gebauer 58. Auffällig ist die hohe Zahl der Enthaltungen: 103 im Jahr 2017 und 86 im Jahr 2022.7

Bundesversammlung 2022

Bundesversammlung 2017

Nach Artikel 54 Absatz 2 des Grundgesetzes dauert das Amt fünf Jahre; eine anschließende Wiederwahl ist nur einmal zulässig. Steinmeier kann 2027 deshalb nicht erneut kandidieren. Er ist nach Theodor Heuss, Heinrich Lübke, Richard von Weizsäcker und Horst Köhler der fünfte Bundespräsident, der für eine zweite Amtszeit gewählt wurde (Köhler trat 2010 vorzeitig zurück).

Das Wahlverfahren nach Artikel 54 des Grundgesetzes

Der Bundespräsident wird nicht vom Volk gewählt, sondern von der Bundesversammlung, die nur zu diesem Zweck zusammentritt. Die Grundregeln stehen in Artikel 54 des Grundgesetzes:2

  • Wählbar ist jeder Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestag besitzt und das 40. Lebensjahr vollendet hat.
  • Wahlvorschläge kann jedes Mitglied der Bundesversammlung schriftlich bei der Bundestagspräsidentin einreichen; die schriftliche Zustimmung der vorgeschlagenen Person ist beizufügen. Für den zweiten und dritten Wahlgang können neue Vorschläge eingebracht werden.8
  • Die Wahl findet ohne Aussprache und geheim mit verdeckten amtlichen Stimmzetteln statt.
  • Mehrheit: In den ersten beiden Wahlgängen ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung erhält (absolute Mehrheit, bei 1.260 Mitgliedern also mindestens 631 Stimmen). Erreicht das niemand, genügt in einem dritten Wahlgang die relative Mehrheit: Gewählt ist, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt.
  • Die gewählte Person muss binnen zwei Tagen erklären, ob sie die Wahl annimmt. Das Amt tritt sie an, sobald die Amtszeit des Vorgängers abgelaufen ist – 2027 also am 19. März. Beim Amtsantritt leistet sie in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat den Amtseid nach Artikel 56 des Grundgesetzes.9

Die Mitglieder der Bundesversammlung sind wie Bundestagsabgeordnete „an Aufträge und Weisungen nicht gebunden“ und genießen Immunität.10 Einen Fraktionszwang gibt es nicht, und weil die Wahl geheim ist, lässt sich nicht nachvollziehen, wer wie gestimmt hat. Das erklärt, warum die Stimmenzahl eines Kandidaten regelmäßig von der rechnerischen Stärke der Parteien abweicht, die ihn vorgeschlagen haben.

Ablauf am Wahltag

Die Bundestagspräsidentin leitet die Sitzung; für den Geschäftsgang gilt die Geschäftsordnung des Bundestages sinngemäß, sofern sich die Bundesversammlung keine eigene gibt.11 Nach der Eröffnung und einer Ansprache der Präsidentin – 2022 begrüßte Bärbel Bas die Mitglieder „an ungewohntem Ort, in schwierigen Zeiten“ – folgt unmittelbar die Wahl. Bewerbungsreden oder eine Debatte über die Kandidaten sind nicht vorgesehen.5 Der Sitzungsvorstand prüft zuvor, ob die eingereichten Wahlvorschläge den gesetzlichen Voraussetzungen entsprechen.8

Gewählt wird mit verdeckten amtlichen Stimmzetteln.8 Die Mitglieder werden namentlich aufgerufen, kennzeichnen ihren Stimmzettel verdeckt und werfen ihn im verschlossenen Umschlag in eine der Wahlurnen – 2022 waren es blaue Umschläge mit dem Bundesadler und gläserne Urnen.512 Enthaltungen sind möglich und werden gesondert ausgezählt. Sind mehrere Wahlgänge nötig, zieht sich die Versammlung über den ganzen Tag: Die 14. Bundesversammlung 2010 brauchte für ihre drei Wahlgänge mehr als neun Stunden.13

Nach der Auszählung verkündet die Präsidentin das Ergebnis und fragt die gewählte Person, ob sie die Wahl annimmt; das Gesetz räumt dafür zwei Tage ein, in der Praxis erfolgt die Annahme sofort im Saal. Nach einer kurzen Ansprache der oder des Gewählten und der Nationalhymne erklärt die Präsidentin die Bundesversammlung für beendet.85 Vereidigt wird das neue Staatsoberhaupt erst beim Amtsantritt, 2027 also nach dem 18. März.

Mehrheiten: Knappe Wahlen 1969, 1994 und 2010

Elf der bisher 17 Bundesversammlungen entschieden die Wahl im ersten Wahlgang, drei im zweiten (1949, 1959 und 1999) und drei erst im dritten: 1969, 1994 und 2010.7 In allen drei Fällen verfügte das Lager des späteren Siegers rechnerisch über eine Mehrheit, verfehlte sie aber in den ersten beiden Wahlgängen, weil einzelne Mitglieder abwichen oder eine Partei einen eigenen Kandidaten aufstellte.

  • 1969: Die 5. Bundesversammlung in der Berliner Ostpreußenhalle hatte 1.036 Mitglieder; für die absolute Mehrheit waren 519 Stimmen nötig. SPD und FDP stellten zusammen 532 Mitglieder, doch Gustav Heinemann (SPD) erhielt in den ersten beiden Wahlgängen nur 514 und 511 Stimmen, Gerhard Schröder (CDU) 501 und 507. Im dritten Wahlgang gewann Heinemann mit 512 zu 506 Stimmen – sechs Stimmen Vorsprung, das knappste Ergebnis aller Bundespräsidentenwahlen. Er ist der einzige Bundespräsident, der nur mit relativer Mehrheit gewählt wurde.714
  • 1994: Union und FDP hatten in der 1.324 Mitglieder starken 10. Bundesversammlung eine klare Mehrheit (620 und 112 Mitglieder, erforderlich: 663), traten aber mit zwei Kandidaten an. Roman Herzog (CDU) kam auf 604 und 622 Stimmen, Johannes Rau (SPD) auf 505 und 559, Hildegard Hamm-Brücher (FDP) auf 132 und 126. Nach ihrem Rückzug wurde Herzog im dritten Wahlgang mit 696 gegen 605 Stimmen für Rau gewählt.715
  • 2010: Nach dem Rücktritt Horst Köhlers schlugen Union und FDP Christian Wulff vor; sie stellten 644 der 1.244 Mitglieder (erforderlich: 623). Wulff erhielt im ersten Wahlgang 600 Stimmen, im zweiten 615; der von SPD und Grünen nominierte Joachim Gauck kam auf 499 und 490. Erst im dritten Wahlgang erreichte Wulff mit 625 Stimmen die absolute Mehrheit, Gauck erhielt 494; 121 Mitglieder, vor allem der Linken, enthielten sich.71316

Auch ohne dritten Wahlgang kann es knapp werden: 2004 wurde Horst Köhler mit 604 von 1.204 Stimmen gewählt – eine Stimme mehr als die erforderliche Mehrheit von 603, obwohl Union und FDP, die ihn vorgeschlagen hatten, rechnerisch deutlich mehr Mitglieder stellten.712

1969

1994

2010

Zusammensetzung der Bundesversammlung

Die Bundesversammlung besteht aus allen Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Landesparlamenten nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden. Da der Bundestag seit der Wahlrechtsreform 630 Sitze hat, umfasst die 18. Bundesversammlung 1.260 Mitglieder: 630 Bundestagsabgeordnete und 630 Delegierte der 16 Landtage.17 Sie ist damit deutlich kleiner als die 17. Bundesversammlung 2022, die wegen der vielen Überhang- und Ausgleichsmandate des 20. Bundestages 1.472 Mitglieder zählte, und genauso groß wie die 16. Bundesversammlung 2017.718

Bundestagsanteil: Nach dem endgültigen Ergebnis der Bundestagswahl 2025 entfallen von den 630 Bundestagssitzen 208 auf CDU/CSU (CDU 164, CSU 44), 152 auf die AfD, 120 auf die SPD, 85 auf Bündnis 90/Die Grünen, 64 auf Die Linke und einer auf den SSW.19 Einzelne Abgeordnete haben seither ihre Fraktion verlassen; das ändert an der Gesamtzahl von 630 nichts. So sind zwei 2025 für die AfD gewählte Abgeordnete inzwischen fraktionslos, die AfD-Fraktion zählt 150 Mitglieder.20 Damit stellt die AfD allein aus dem Bundestag fast so viele Mitglieder der Bundesversammlung wie 2022 insgesamt (151); die Grünen hatten 2022 allein aus dem Bundestag 118 Mitglieder entsandt.21 Union und SPD kommen zusammen auf 328 Bundestagsabgeordnete; für die absolute Mehrheit von 631 Stimmen bräuchten sie zusätzlich 303 der 630 Ländervertreter. 2022 verfügten beide Parteien noch über 835 der 1.472 Mitglieder.

Bundestagsanteil 2027

Bundesversammlung 2022

Bundesversammlung 2017

Wie sich die Parteien in der 18. Bundesversammlung insgesamt verteilen, steht endgültig erst fest, wenn alle Landtage ihre Vertreter gewählt haben. Eine Prognose von wahlrecht.de, die von den derzeitigen Fraktionsstärken und den Ergebnissen der Landtagswahlen vom September 2026 ausgeht, kommt auf 431 bis 432 Mitglieder für CDU/CSU, 260 bis 262 für die AfD, 251 bis 253 für die SPD, 193 bis 197 für die Grünen, 78 bis 80 für die Linke, 11 für die FDP und 7 für das BSW; hinzu kommen 24 Sonstige, darunter 18 Freie Wähler aus Bayern (Stand: 21. September 2026). Union und SPD kämen danach zusammen auf 682 bis 685 der 1.260 Stimmen und lägen damit über der absoluten Mehrheit von 631.20 Gemeinsame Wahlvorschläge, Abwesenheit oder abweichendes Stimmverhalten bei den Wahlen in den Landtagen können die Zahlen noch verändern.

Länderanteil: Landtagswahlen 2026 und die Wahl der Ländervertreter

Wie viele Mitglieder die einzelnen Landtage wählen dürfen, stellt die Bundesregierung anhand der Bevölkerungszahlen der Länder fest und macht es im Bundesgesetzblatt bekannt; Ausländer bleiben bei der Berechnung unberücksichtigt.22 Für die 17. Bundesversammlung erfolgte die Bekanntmachung am 8. November 2021, gut drei Monate vor der Wahl.6 Für die 18. Bundesversammlung hat die Bundesregierung die Verteilung am 16. September 2026 festgestellt; die Bekanntmachung erschien am 21. September 2026 im Bundesgesetzblatt.23 Danach wählt der Landtag von Nordrhein-Westfalen 134 Mitglieder, der Bayerische Landtag 99, der Landtag von Baden-Württemberg 82 und die Bremische Bürgerschaft 5. Gegenüber der gleich großen 16. Bundesversammlung 2017 erhalten Bayern und Baden-Württemberg je zwei Sitze mehr, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen je einen weniger.18

Innerhalb jedes Landes wählt der Landtag seine Vertreter nach Vorschlagslisten der Fraktionen; die Sitze werden nach dem Höchstzahlverfahren d’Hondt auf die Listen verteilt.2425 Maßgeblich ist die Zusammensetzung des Landtags zum Zeitpunkt dieser Wahl, die in den Wochen vor der Bundesversammlung stattfindet. Die Delegierten müssen keine Landtagsabgeordneten sein: 2022 waren 500 der 736 Ländervertreter Mitglieder ihres Landesparlaments, 236 kamen von außerhalb – Kommunalpolitiker, ehemalige Abgeordnete sowie Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Wissenschaft.21

Deshalb beeinflussen die fünf Landtagswahlen des Jahres 2026 die Zusammensetzung der 18. Bundesversammlung unmittelbar:26

  • Baden-Württemberg (8. März): Grüne und CDU kamen auf je 56 Sitze, die AfD auf 35, die SPD auf 10; die FDP schied aus dem Landtag aus.27 Sie hatte 2022 noch 13 baden-württembergische Vertreter in die Bundesversammlung entsandt.21
  • Rheinland-Pfalz (22. März): CDU 39 Sitze, SPD 32, AfD 24, Grüne 10; auch hier ist die FDP nicht mehr vertreten.28
  • Sachsen-Anhalt (6. September): Nach dem endgültigen Ergebnis AfD 39 Sitze, CDU 15, SPD, Grüne und Linke je 8, BSW 5.29 Das Land wählt 17 Vertreter.23 Das BSW, das 2024 auch in die Landtage von Brandenburg, Sachsen und Thüringen eingezogen war, dürfte 2027 erstmals Mitglieder in eine Bundesversammlung entsenden; die Prognose von wahlrecht.de kommt auf sieben (Sachsen 4, Brandenburg 2, Sachsen-Anhalt 1). In Thüringen haben Anfang September 2026 13 der 15 BSW-Abgeordneten die Partei verlassen.2030
  • Berlin (20. September): Nach dem vorläufigen Ergebnis Linke 47 Sitze, CDU 34, AfD 29, Grüne 26, SPD 22; BSW und FDP sind nicht vertreten.31 Berlin entsendet 26 Vertreter; erstmals wählt sie ein Abgeordnetenhaus, in dem die Linke die stärkste Fraktion stellt (siehe Abgeordnetenhauswahl in Berlin).
  • Mecklenburg-Vorpommern (20. September): Nach dem endgültigen Ergebnis AfD 32 Sitze, SPD 29, Linke 5, Grüne 5; CDU, BSW und FDP scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.32 Von den 13 Vertretern des Landes dürfte damit keiner mehr von der CDU kommen (siehe Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern).

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, die Gespräche über einen Kandidaten erst zu führen, „wenn wir endgültig wissen, wie die Bundesversammlung zusammengesetzt sein wird“.33 Für FDP, Freie Wähler und BSW, die nicht im Bundestag vertreten sind, führt der Weg in die Bundesversammlung ausschließlich über die Landtage.

Kandidaten: Stand der Debatte

Offizielle Nominierungen gibt es noch nicht. Der aussichtsreichste Vorschlag kommt in der Regel von den Regierungsfraktionen, häufig gemeinsam mit Teilen der Opposition. Merz hatte bereits im Februar 2026 angekündigt, „mit Rücksicht auch Respekt vor den Landtagswahlen“ erst nach den Wahlen im September gemeinsam mit den Vorsitzenden von CSU und SPD einen Vorschlag zu machen; er wünsche sich „eine Persönlichkeit in dieses Amt, die das Land in der ganzen Breite repräsentiert“.34 Nach seinen Angaben vom Juli will die Union im Oktober oder November 2026 zunächst mit der CSU und dann mit der SPD sprechen, möglicherweise auch mit weiteren Fraktionen der Bundesversammlung.33 Nach den Landtagswahlen drängte CSU-Vize Manfred Weber Ende September 2026 auf eine Einigung von Union und SPD noch vor dem CSU-Parteitag Ende Oktober; SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese sagte, es sei Zeit, in der Kandidatinnensuche „auf die Zielgerade zu kommen“.35 Öffentlich wurden bisher vor allem folgende Namen genannt:

  • Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags: CSU-Chef Markus Söder sprach sich im April 2026 für sie aus.36 Merz nannte sie im Juli 2026 eine „respektable, denkbare Bundespräsidentin“, betonte aber, dass es noch keine Entscheidung gebe. Aigner selbst erklärte damals, die Frage stelle sich derzeit nicht.33 Auch aus der SPD kamen Unterstützungssignale.37 Ende September 2026 sprach sich auch Manfred Weber für sie aus.35
  • Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident von Hessen: Laut FAZ galt er im August 2026 im Umfeld des Kanzlers angeblich als Favorit.38 Ende September erklärte Rhein, die Frage stelle sich nicht; er wolle hessischer Ministerpräsident bleiben und die CDU 2028 in den Landtagswahlkampf führen.35
  • Weitere Namen aus der CDU: In Medienberichten werden außerdem Bildungsministerin Karin Prien, die frühere Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die frühere Kulturstaatsministerin Monika Grütters genannt.35
  • Udo Di Fabio, ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts: Laut Handelsblatt kursiert sein Name Medienberichten zufolge in CDU-Kreisen.39
  • Gabriele Krone-Schmalz, frühere ARD-Korrespondentin: Das Bündnis Sahra Wagenknecht kündigte Anfang September 2026 an, sich für sie starkzumachen, sofern das BSW über einen Landtag Sitze in der Bundesversammlung erhält.40
  • Hape Kerkeling: Eine Online-Petition der Kampagnenorganisation Campact schlug den Entertainer im Frühjahr 2026 als überparteilichen Kandidaten vor; die Vorsitzende der Linksfraktion, Heidi Reichinnek, nannte ihn einen „geeigneten Vorschlag“.41

SPD und Grüne bestehen darauf, dass nach zwölf Männern erstmals eine Frau in das Amt gewählt wird; Unionsfraktionschef Thorsten Frei warnte dagegen vor frühen Festlegungen und will „offen rangehen“.4243 AfD-Chefin Alice Weidel deutete im März 2026 an, dass die AfD einen eigenen Kandidaten aufstellen könnte.44 Die AfD, die Linke und die Freien Wähler hatten schon 2017 und 2022 eigene Kandidaten nominiert.7

Alle diese Namen sind Vorschläge und Spekulationen aus der politischen Debatte. Verbindlich werden Kandidaturen erst mit den schriftlichen Wahlvorschlägen an die Bundestagspräsidentin vor oder während der Bundesversammlung.8

Alle Bundespräsidenten seit 1949

Zwölf Männer haben das Amt bisher ausgeübt; eine Frau wurde noch nie gewählt. Die Tabelle nennt die Wahljahre und den Wahlgang, in dem die Wahl jeweils entschieden wurde.

Nr. Bundespräsident Partei Amtszeit Gewählt (Bundesversammlung, Wahlgang)
1 Theodor Heuss FDP 1949–1959 1949 (1., 2. Wahlgang); 1954 (2., 1. Wahlgang)
2 Heinrich Lübke CDU 1959–1969 1959 (3., 2. Wahlgang); 1964 (4., 1. Wahlgang)
3 Gustav Heinemann SPD 1969–1974 1969 (5., 3. Wahlgang)
4 Walter Scheel FDP 1974–1979 1974 (6., 1. Wahlgang)
5 Karl Carstens CDU 1979–1984 1979 (7., 1. Wahlgang)
6 Richard von Weizsäcker CDU 1984–1994 1984 (8., 1. Wahlgang); 1989 (9., 1. Wahlgang)
7 Roman Herzog CDU 1994–1999 1994 (10., 3. Wahlgang)
8 Johannes Rau SPD 1999–2004 1999 (11., 2. Wahlgang)
9 Horst Köhler CDU 2004–2010 2004 (12., 1. Wahlgang); 2009 (13., 1. Wahlgang); Rücktritt 2010
10 Christian Wulff CDU 2010–2012 2010 (14., 3. Wahlgang); Rücktritt 2012
11 Joachim Gauck parteilos 2012–2017 2012 (15., 1. Wahlgang)
12 Frank-Walter Steinmeier SPD seit 2017 2017 (16., 1. Wahlgang); 2022 (17., 1. Wahlgang)

Quellen: Deutscher Bundestag, Dokumentation der Bundesversammlungen seit 1949; Wikipedia.912

Die Bundesversammlungen 1949 und 1974 bis 1989 tagten in Bonn, 1954 bis 1969 in der Berliner Ostpreußenhalle; seit 1994 findet die Wahl in Berlin statt, seit 1999 im Reichstagsgebäude (2022 ausnahmsweise im Paul-Löbe-Haus). Von 1979 bis 2009 war der 23. Mai, der Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes, der feste Wahltag; die Rücktritte von Horst Köhler (2010) und Christian Wulff (2012) verschoben den Rhythmus in den Winter.

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. Deutscher Bundestag, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beruft die 18. Bundesversammlung zum 30. Januar 2027 ein, 26.02.2026. ↩ ↩2 ↩3

  2. Grundgesetz, Artikel 54 (gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz). ↩ ↩2

  3. Wikipedia, Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2027, mit Verweis auf die Anordnung über Ort und Zeit der 18. Bundesversammlung (BGBl. 2026 I Nr. 51), abgerufen am 18.09.2026. ↩

  4. Deutscher Bundestag, Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten gewählt, 12.02.2017. ↩

  5. Deutscher Bundestag, Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident wiedergewählt, 13.02.2022. ↩ ↩2 ↩3 ↩4

  6. Wikipedia, Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2022, Abschnitt zur Zusammensetzung (Bekanntmachung im Bundesgesetzblatt vom 08.11.2021), abgerufen am 18.09.2026. ↩ ↩2

  7. Deutscher Bundestag, Ergebnisse der Bundespräsidentenwahl, 1.–17. Bundesversammlung (1949–2022) (PDF), Stand Mai 2022. ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8

  8. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 9. ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5

  9. Deutscher Bundestag, Die Bundesversammlungen seit 1949 – Dokumentation. ↩ ↩2

  10. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 7. ↩

  11. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 8. ↩

  12. Wikipedia, Bundesversammlung (Deutschland), Tabelle der Bundesversammlungen, abgerufen am 18.09.2026. ↩ ↩2 ↩3

  13. Deutscher Bundestag, Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt, 30.06.2010. ↩ ↩2

  14. Wikipedia, Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1969, Zusammensetzung: CDU/CSU 482, SPD 449, FDP 83, NPD 22; abgerufen am 18.09.2026. ↩

  15. Wikipedia, Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1994, Zusammensetzung: CDU/CSU 620, SPD 502, FDP 112, Grüne 43, PDS 34, Republikaner 8, Unabhängige 5; abgerufen am 18.09.2026. ↩

  16. Wikipedia, Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2010, Zusammensetzung: CDU/CSU 496, SPD 333, FDP 148, Grüne 129, Linke 124, Freie Wähler 10, NPD 3, SSW 1; abgerufen am 18.09.2026. ↩

  17. Deutscher Bundestag, Bundesversammlung und Wahl des Bundespräsidenten, Stand 26.02.2026, abgerufen am 14.09.2026. ↩

  18. Deutscher Bundestag, 16. Bundesversammlung am 12. Februar 2017 – Zusammensetzung nach Parteien und Ländern (XLSX): CDU/CSU 539, SPD 384, Grüne 147, Linke 95, FDP 36, AfD 35, Sonstige 24. ↩ ↩2

  19. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2025 – Ergebnisse Deutschland, endgültiges Ergebnis. ↩

  20. wahlrecht.de, 18. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten – Prognose der Zusammensetzung, Stand 21.09.2026 (nach d’Hondt aus den Fraktionsstärken; vorläufige Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern), abgerufen am 01.10.2026. ↩ ↩2 ↩3

  21. Deutscher Bundestag, 17. Bundesversammlung am 13. Februar 2022 – Zusammensetzung nach Parteien und Ländern sowie nach Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern der Landesparlamente (PDF), Stand Mai 2022: CDU/CSU 448, SPD 387, Grüne 233, FDP 155, AfD 151, Linke 71, Sonstige 27. ↩ ↩2 ↩3

  22. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 2. ↩

  23. Bundesregierung, Bekanntmachung über die Zahl der von den Volksvertretungen der Länder zu wählenden Mitglieder der 18. Bundesversammlung vom 16.09.2026, BGBl. 2026 I Nr. 267, ausgegeben am 21.09.2026. ↩ ↩2

  24. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung, § 4. ↩

  25. wahlrecht.de, Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung (Wahlsystem), Wahlrechtslexikon. ↩

  26. Deutscher Bundestag, Wahltermine in Deutschland. ↩

  27. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Landtagswahl 2026 – Land Baden-Württemberg, endgültiges Ergebnis; Sitzverteilung siehe Landtagswahl Baden-Württemberg 2026. ↩

  28. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, Bekanntmachung über das endgültige Ergebnis der Wahl zum 19. Landtag, Bad Ems, 02.04.2026; siehe Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026. ↩

  29. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Landtagswahl 2026 – Gewählte Abgeordnete der Sitzverteilung, endgültiges amtliches Ergebnis (PDF), Stand 22.09.2026; siehe Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026. ↩

  30. tagesschau.de, Nach dem Bruch des BSW: Wie stabil ist Thüringens Regierung noch?, 09.09.2026. ↩

  31. wahlrecht.de, Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September 2026 – vorläufiges Ergebnis, nach Angaben des Landeswahlleiters Berlin, abgerufen am 21.09.2026. ↩

  32. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern – Endgültiges Ergebnis (PDF), 30.09.2026: AfD 32, SPD 29, Linke 5, Grüne 5 von 71 Sitzen. ↩

  33. Tagesspiegel, Eine „respektable, denkbare Bundespräsidentin“: Merz offen für Ilse Aigner als Steinmeier-Nachfolgerin, 27.07.2026. ↩ ↩2 ↩3

  34. Tagesspiegel, Wer wird nächster Bundespräsident? Merz kündigt schwarz-roten Vorschlag für Steinmeier-Nachfolge an, 21.02.2026. ↩

  35. dpa, abgedruckt in: Rhein-Neckar-Zeitung, CSU-Vize: Kandidatur für Steinmeier-Nachfolge schnell klären, 27.09.2026. ↩ ↩2 ↩3 ↩4

  36. FAZ, Markus Söder ist für Ilse Aigner als Bundespräsidentin, 24.04.2026. ↩

  37. ZDFheute, Bundespräsidentenwahl: Wie Ilse Aigner sich warmläuft, 02.08.2026. ↩

  38. FAZ, Boris Rhein als Favorit für das Bundespräsidentenamt?, 04.08.2026. ↩

  39. Handelsblatt, Udo Di Fabio als Bundespräsident? – Wer noch im Rennen ist, 24.08.2026. ↩

  40. WELT, BSW will frühere ARD-Korrespondentin Krone-Schmalz als Bundespräsidentin, 03.09.2026. ↩

  41. MDR Aktuell, Petition will Kerkeling als Bundespräsident – Reichinnek hält Vorschlag für geeignet, 15.06.2026. ↩

  42. DIE ZEIT, Bundespräsidentenwahl 2027: SPD und Grüne bestehen auf Frau als nächstes Staatsoberhaupt, 05.08.2026. ↩

  43. Deutschlandfunk, SPD besteht bei Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier auf Nominierung einer Frau, 22.08.2026. ↩

  44. Tagesspiegel, Bundespräsidentenwahl 2027: Weidel deutet Aufstellung von eigenem AfD-Kandidaten an, 15.03.2026. ↩

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