Der Deutsche Bundestag: Zusammensetzung und Aufgaben

Der 21. Deutsche Bundestag: Sitze, Präsidium, Fraktionen, Ausschüsse, Wahlperiode und Aufgaben

Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026

Plenarsaal des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude mit Rednerpult und Regierungsbank

Plenarsaal des Deutschen Bundestages mit Rednerpult und Regierungsbank. Foto: Ole Neitzel, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0, bearbeitet

Der Deutsche Bundestag ist das Parlament der Bundesrepublik und das einzige Verfassungsorgan des Bundes, das direkt vom Volk gewählt wird. Seit der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 hat er 630 Abgeordnete – so viele, wie das Bundeswahlgesetz seit der Reform von 2023 festschreibt.1 Der vorherige Bundestag hatte zu Beginn seiner Wahlperiode 736 Mitglieder, so viele wie nie zuvor.2

Die Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt. Die laufende 21. Wahlperiode begann mit der konstituierenden Sitzung am 25. März 2025; der nächste Bundestag wird zwischen dem 26. Januar und dem 25. März 2029 gewählt.3 Tagungsort ist das Reichstagsgebäude in Berlin.

Sitzverteilung und Fraktionen

Nach dem endgültigen Ergebnis der Bundestagswahl 2025 stellen CDU und CSU mit 208 Sitzen die größte Fraktion, gefolgt von der AfD mit 152 Sitzen; fünf Fraktionen und der SSW-Abgeordnete teilen sich die 630 Sitze.4 Durch einen Austritt und einen Ausschluss hat sich die Stärke der Fraktionen seitdem leicht verändert (Stand: 1. Oktober 2026):5

Fraktionen heute

Nach der Wahl 2025

Fraktionslos sind der SSW-Abgeordnete Stefan Seidler sowie zwei frühere Mitglieder der AfD-Fraktion: Sieghard Knodel trat am 5. Mai 2025 aus Partei und Fraktion aus,6 Jan Wenzel Schmidt wurde am 3. März 2026 aus der Fraktion ausgeschlossen.7 Über den Antrag gegen diesen Fraktionsausschluss vom 3. März 2026 verhandelt das Bundesverfassungsgericht am 4. November 2026 in einem Organstreitverfahren.8

Scheidet ein Abgeordneter aus, rückt ein Bewerber derselben Partei nach – zuerst ein Wahlkreissieger, dessen Mandat mangels Zweitstimmendeckung nicht zugeteilt worden war, sonst der nächste Bewerber der Landesliste; die Sitzzahl bleibt gleich.9 Bis zum 1. Oktober 2026 schieden neun Abgeordnete aus, darunter Annalena Baerbock und Robert Habeck; der SPD-Abgeordnete Carsten Träger starb am 21. März 2026. Für Andreas Jung und Ronja Kemmer (beide CDU) rückten im Mai 2026 Stefan Glaser und Christoph Naser nach, die 2025 die Wahlkreise Lörrach – Müllheim und Tübingen gewonnen, aber zunächst keinen Sitz erhalten hatten.10 Der Bundestag veröffentlicht die aktuelle Sitzverteilung auf seiner Website.

Für die absolute Mehrheit sind 316 Stimmen nötig. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD verfügen zusammen über 328 Sitze.11

Größe des Bundestages seit 1949

Der erste Bundestag hatte 402 Sitze; hinzu kamen bis 1990 Abgeordnete aus Berlin (West), die nicht direkt gewählt, sondern vom Abgeordnetenhaus entsandt wurden. Ab 1965 lag die Sollgröße bei 496 Sitzen, nach der Wiedervereinigung bei 656; die Verkleinerung auf 598 Sitze griff erstmals 2002.12

Weil Überhang- und ab 2013 auch Ausgleichsmandate hinzukamen, wuchs das Parlament danach von Wahl zu Wahl: 2017 auf 709 und 2021 auf 736 Abgeordnete. Die Wahlrechtsreform von 2023 legte die Größe auf 630 Sitze fest und schaffte Überhang- und Ausgleichsmandate ab; Wahlkreissieger erhalten ihr Mandat nur noch, wenn es durch das Zweitstimmenergebnis ihrer Partei gedeckt ist.1 Einzelheiten und die aktuelle Reformdebatte: Wahlrecht.

Präsidium

In der konstituierenden Sitzung am 25. März 2025 wählte der Bundestag Julia Klöckner (CDU) mit 382 von 630 Stimmen zur Präsidentin; sie folgte auf Bärbel Bas (SPD). Als Alterspräsident hatte Gregor Gysi (Linke) die Sitzung eröffnet.13

Zu Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten wurden gewählt:

  • Andrea Lindholz (CDU/CSU)
  • Josephine Ortleb (SPD)
  • Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Bodo Ramelow (Die Linke)

Der Kandidat der AfD-Fraktion, Gerold Otten, verfehlte in drei Wahlgängen die erforderliche Mehrheit von 316 Stimmen.13 Auch Michael Kaufmann am 26. Juni 2025 (156 Ja-Stimmen) und Malte Kaufmann am 16. Oktober 2025 (153 Ja-Stimmen) wurden nicht gewählt.1415 Der fünfte Stellvertreterposten ist unbesetzt; das Präsidium war am 1. Oktober 2026 unverändert im Amt.16

Ausschüsse und Arbeitsweise

Die eigentliche Sacharbeit findet in den Ausschüssen statt. Der 21. Bundestag setzte am 15. Mai 2025 24 ständige Ausschüsse ein, einen weniger als in der vorherigen Wahlperiode. Sie haben zwischen 14 und 42 Mitglieder; die sechs größten (Auswärtiges, Inneres, Finanzen, Haushalt, Wirtschaft sowie Arbeit und Soziales) je 42, die vier kleinsten (Geschäftsordnung, Sport und Ehrenamt, Menschenrechte, Tourismus) je 14.1718

Vier Ausschüsse schreibt das Grundgesetz vor: den Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Artikel 45), den Auswärtigen Ausschuss und den Verteidigungsausschuss (Artikel 45a) sowie den Petitionsausschuss (Artikel 45c). Die übrigen spiegeln in der Regel die Bundesministerien; Ausnahmen gibt es, etwa die zwei Ausschüsse für Finanzen und Haushalt zum Finanzministerium. Die Sitze in den Ausschüssen werden nach dem Kräfteverhältnis der Fraktionen im Plenum verteilt, ebenso die Vorsitze.18

Die Abgeordneten organisieren sich in Fraktionen, die Redezeiten, Ausschusssitze und Initiativrechte bündeln. Über die Tagesordnung des Plenums verständigt sich der Ältestenrat aus Präsidium und Vertretern der Fraktionen. Das Plenum tagt in Sitzungswochen; 2025 kam der Bundestag an 57 Sitzungstagen zusammen, davon 51 in der neuen Wahlperiode.19

Aufgaben des Bundestages

Gesetzgebung

Der Bundestag beschließt die Bundesgesetze. Gesetzentwürfe können aus der Mitte des Bundestages, von der Bundesregierung oder vom Bundesrat eingebracht werden. Der Bundesrat wirkt an der Gesetzgebung mit; bei zustimmungspflichtigen Gesetzen und bei Grundgesetzänderungen ist seine Zustimmung erforderlich.20 Auch den Bundeshaushalt beschließt der Bundestag als Gesetz.

Gesetzgebung in Zahlen: die 20. Wahlperiode

In der 20. Wahlperiode (2021 bis 2025) wurden 693 Gesetzesvorhaben bei Bundestag oder Bundesrat eingebracht, davon 360 von der Bundesregierung, 243 aus der Mitte des Bundestages und 90 von den Ländern. Der Bundestag verabschiedete 333 Gesetze, ganz überwiegend Regierungsvorlagen (243); 329 wurden verkündet, davon 114 als zustimmungsbedürftig. Zwölfmal wurde der Vermittlungsausschuss angerufen, siebenmal versagte der Bundesrat seine Zustimmung.21

Im Jahr 2025 verabschiedete der Bundestag 118 Gesetze, davon 96 in der neuen Wahlperiode. Zur Kontrolle der Regierung stellten die Abgeordneten 1.318 Kleine Anfragen und 5.954 schriftliche Einzelfragen; in der 21. Wahlperiode gab es bis Jahresende 39 namentliche Abstimmungen.19

Wahlen

  • Bundeskanzler: Der Bundestag wählt auf Vorschlag des Bundespräsidenten den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin.22 Zuletzt wurde Friedrich Merz am 6. Mai 2025 im zweiten Wahlgang gewählt.11
  • Bundespräsident: Die 630 Abgeordneten bilden zusammen mit ebenso vielen Mitgliedern, die die Landesparlamente wählen, die Bundesversammlung. Die 18. Bundesversammlung tritt am 30. Januar 2027 zusammen.2324
  • Weitere Wahlen: Der Bundestag wählt unter anderem die Hälfte der Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts und die Wehrbeauftragte oder den Wehrbeauftragten.25

Kontrolle der Regierung

Die Kontrolle der Bundesregierung übernimmt vor allem die Opposition. Instrumente sind unter anderem Kleine und Große Anfragen, Fragestunden, Aktuelle Stunden und Untersuchungsausschüsse. Über Einsätze bewaffneter Streitkräfte im Ausland entscheidet der Bundestag.

Der Bundestag kann den Bundeskanzler nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum ablösen, also indem er mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt.26 Umgekehrt kann der Kanzler die Vertrauensfrage stellen; findet sie keine Mehrheit, kann der Bundespräsident den Bundestag auf Vorschlag des Kanzlers auflösen.27

Wahlprüfung

Über Einsprüche gegen die Gültigkeit einer Bundestagswahl entscheidet zunächst der Bundestag selbst; gegen seine Entscheidung ist die Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht möglich.28 Zur Wahl 2025 gingen 1.041 Einsprüche ein. Der Bundestag entscheidet darüber in Paketen, zuletzt am 24. September 2026 über 100 weitere Einsprüche; abgeschlossen war die Prüfung damit noch nicht.29

Wahlperiode und Auflösung

Der Bundestag wird auf vier Jahre gewählt. Die Wahlperiode endet mit dem Zusammentritt des neuen Bundestages, der spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfindet; die Neuwahl muss frühestens 46 und spätestens 48 Monate nach Beginn der Wahlperiode liegen (Artikel 39 Grundgesetz).30 Ein Selbstauflösungsrecht hat der Bundestag nicht.

Vorzeitig enden kann eine Wahlperiode nur über den Bundespräsidenten: nach einer gescheiterten Vertrauensfrage (Artikel 68) oder wenn bei einer Kanzlerwahl kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht (Artikel 63). Die Neuwahl findet dann innerhalb von 60 Tagen statt.302227 Viermal kam es bisher dazu, jedes Mal nach einer Vertrauensfrage: 1972 unter Willy Brandt, 1982 unter Helmut Kohl (Wahl am 6. März 1983), 2005 unter Gerhard Schröder und 2024 unter Olaf Scholz, dem der Bundestag am 16. Dezember 2024 mit 394 Stimmen das Vertrauen verweigerte.31 Es folgte die vorgezogene Bundestagswahl 2025.

Die Abgeordneten in Zahlen

Laut der Statistik des Bundestages zum Beginn der Wahlperiode:32

  • Neu im Parlament: 230 der 630 Abgeordneten, 400 gehörten schon dem 20. Bundestag an.
  • Frauenanteil: 204 Frauen, das sind 32,4 Prozent (2021: 34,8 Prozent). Nach Nachrückerwechseln waren es am 1. Oktober 2026 205 Frauen (32,5 Prozent; eigene Auszählung).5 Mehr dazu: Frauenanteil im Bundestag.
  • Alter: Das Durchschnittsalter liegt bei 47,1 Jahren (2021: 47,3). Der jüngste Abgeordnete war bei der Wahl 23, der älteste 84 Jahre alt. Größte Altersgruppe sind die 50- bis 59-Jährigen mit 186 Abgeordneten.

Abgeordnetenentschädigung (Diäten)

Abgeordnete erhalten eine zu versteuernde Entschädigung von monatlich 11.833,47 Euro (seit 1. Juli 2025) sowie eine steuerfreie Kostenpauschale von 5.467,27 Euro für Wahlkreisbüro, Fahrten und Zweitwohnung. Die Entschädigung wird jährlich zum 1. Juli an die Entwicklung des Nominallohnindex angepasst.33 Auf die für 2026 fällige Erhöhung um 4,2 Prozent auf 12.330,48 Euro verzichtete der Bundestag mit Beschluss vom 10. Juli 2026 unter Verweis auf die Haushaltslage; die nächste reguläre Anpassung steht zum 1. Juli 2027 an.34

Der nächste Bundestag

Auch der 22. Deutsche Bundestag wird 630 Sitze haben, sofern das Wahlrecht bis zur Wahl nicht geändert wird. Für die Wahl 2029 sollen die Wahlkreise neu zugeschnitten werden; die Wahlkreiskommission hat dazu im Juni 2026 ihren Bericht vorgelegt.35 Über Reformpläne und Debatten informiert die Seite Wahlrecht.

Weiterführende Artikel

Einzelnachweise

  1. Bundeswahlgesetz, § 1 Zusammensetzung des Deutschen Bundestages und Wahlrechtsgrundsätze. ↩ ↩2

  2. Deutscher Bundestag, Zeitenwende und Haushaltsprobleme (2021 bis 2025), 26.03.2025. ↩

  3. Die Bundeswahlleiterin, Bundestagswahl 2029, abgerufen am 14.09.2026. ↩

  4. Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse Deutschland – Bundestagswahl 2025, endgültiges Ergebnis. ↩

  5. Deutscher Bundestag, Abgeordnete des 21. Deutschen Bundestages (Stammdaten, XML), abgerufen am 01.10.2026; Fraktionsstärken und Frauenanteil daraus ausgezählt. ↩ ↩2

  6. ZDFheute, AfD-Abgeordneter Knodel verlässt Fraktion und Partei, 05.05.2025. ↩

  7. tagesschau.de, AfD-Bundestagsfraktion wirft Abgeordneten raus, 03.03.2026. ↩

  8. Bundesverfassungsgericht, Mündliche Verhandlung in Sachen „Fraktionsausschluss“ am Mittwoch, den 4. November 2026, Pressemitteilung Nr. 59/2026 vom 25.09.2026 (2 BvE 2/26). ↩

  9. Bundeswahlgesetz, § 48 Berufung von Nachfolgern, in Verbindung mit § 6. ↩

  10. Deutscher Bundestag, Ausgeschiedene Abgeordnete der 21. Wahlperiode, Stand 01.10.2026. ↩

  11. Deutscher Bundestag, Friedrich Merz mit 325 Stimmen zum Bundeskanzler gewählt, 06.05.2025. ↩ ↩2

  12. Die Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Bundestagswahlen (PDF), Tabellen 10 und 11. ↩

  13. Deutscher Bundestag, Bundestag wählt Julia Klöckner zur neuen Parlamentspräsidentin, 25.03.2025. ↩ ↩2

  14. Deutscher Bundestag, Kaufmann nicht zum Vizepräsidenten gewählt – Gremien besetzt, 26.06.2025. ↩

  15. Deutscher Bundestag, Malte Kaufmann nicht zum Vizepräsidenten gewählt, 16.10.2025. ↩

  16. Deutscher Bundestag, Das Präsidium des Deutschen Bundestages, abgerufen am 01.10.2026. ↩

  17. Deutscher Bundestag, Bundestag beschließt die Einsetzung von 24 ständigen Ausschüssen, 15.05.2025 (Drucksache 21/150). ↩

  18. Deutscher Bundestag, 24 ständige Ausschüsse bereiten die Beschlüsse des Bundestages vor, 13.08.2025. ↩ ↩2

  19. Deutscher Bundestag, 118 Gesetze an 57 Sitzungstagen verabschiedet, Jahresstatistik 2025, 08.04.2026. ↩ ↩2

  20. Grundgesetz, Artikel 77. ↩

  21. Deutscher Bundestag, Parlamentsdokumentation, Statistik der Gesetzgebung – 20. Wahlperiode (PDF), Stand der Datenbank 30.04.2025. ↩

  22. Grundgesetz, Artikel 63. ↩ ↩2

  23. Deutscher Bundestag, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beruft die 18. Bundesversammlung zum 30. Januar 2027 ein, 26.02.2026. ↩

  24. Deutscher Bundestag, Bundesversammlung und Wahl des Bundespräsidenten. ↩

  25. Grundgesetz, Artikel 94 (Bundesverfassungsgericht); zur Wehrbeauftragten Artikel 45b. ↩

  26. Grundgesetz, Artikel 67. ↩

  27. Grundgesetz, Artikel 68. ↩ ↩2

  28. Grundgesetz, Artikel 41. ↩

  29. Deutscher Bundestag, Einsprüche gegen die Bundestagswahl 2025 zurückgewiesen, 24.09.2026 (Beschlussempfehlung Drucksache 21/6900). ↩

  30. Grundgesetz, Artikel 39. ↩ ↩2

  31. Deutscher Bundestag, Vertrauensfrage und vorzeitige Neuwahlen, Textarchiv 2024. ↩

  32. Deutscher Bundestag, Abgeordneten-Statistik: Der neue Bundestag in Zahlen, Februar 2025. ↩

  33. Deutscher Bundestag, Entschädigung für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, abgerufen am 18.09.2026. ↩

  34. Deutscher Bundestag, Bundestag beschließt Verzicht auf die diesjährige Erhöhung der Diäten, 10.07.2026 (Drucksachen 21/6330, 21/6851). ↩

  35. Die Bundeswahlleiterin, Bericht der Wahlkreiskommission übergeben, 18.06.2026. ↩

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